Rätsel: Neuer Straßensport?

Thursday, 26. January 2012 17:24

In New York sieht man an jeder Ecke eine Kette. Manchmal hält sie nur noch die Überreste dessen, was da gesichert werden sollte. Oft hängt ein Fahrrad dran. Oder sogar Rollschuhe. Jedenfalls etwas, mit dem man sich schnell aus dem Großstadtstaub machen kann. Deshalb gibt mir dieser Anblick Rätsel auf:

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New York liest!

Wednesday, 25. January 2012 20:26

Da sitzen sie und schauen dem entgegen, was sie als Beweis dafür werten, dass all diese vermeintlichen Experten falsch liegen: Kurze Texte sind nämlich nicht das Einzige, was überhaupt noch gelesen wird.

Der Chefredakteur des New York Magazine hat zu “Behind the Longreads” drei seiner Autoren mitgebracht: Wesley Yang, Jessica Pressler und Dan P. Lee sprechen über die Entstehung ihrer Long Reads – das sind sehr lange Geschichten, die aber eben keine Märchen, sondern Sachgeschichten sind. Und die wie hulle gelesen werden. Selbst die Aussicht, mehr über die Geschichten zu erfahren, zieht die Leute an: Es ist rappelvoll.

Wesley Yang macht aus seiner Geschichte jetzt ein Buch. Zum Schluss fragt jemand, wann denn so ein Punkt käme, wie man entschiede, dass da ein ganzes Buch drin stecke. Ganz einfach, sagt Yang: Er habe 50.000 Worte geschrieben, aber nur (!) 10.000 wurden gedruckt.

Ich bleibe jetzt mal bei 150 Worten. Ich will noch etwas lesen.

 

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Im Bahnhof aufschlagen

Tuesday, 24. January 2012 12:15

Was machen die Männer da? Ganz einfach: Sie bauen einen Squash Court, bei dem man den Sportlern gut zuschauen kann. Auch wenn das ein bisschen den Verkehr aufhält. Dieses Squash-Turnier findet nämlich in einem der großen New Yorker Bahnhöfe statt:In einem Durchgang in Grand Central hauen sich die Teilnehmer die Bälle um die Ohren, und die donnern ganz schön vor die Wände. Wer im Publikum sitzt oder steht und zusammenzuckt, hat verloren.

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Krach für Drachen

Monday, 23. January 2012 12:25

Es mag ja ein wenig neblig sein in New York. Aber das hier ist kein Wetterphänomen. Das ist das sichtbare Gegenstück dessen, was ich höre.

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Es ist nämlich schon wieder Neujahr, diesmal in Chinatown. Eigentlich hat das natürlich schon um Mitternacht angefangen, aber in New York ist Privatgeböller verboten (es brennt auch so schon viel zu oft). Also machen sie das in einer offiziellen Zeremonie mitten am Tag, an dessen Ende ich lerne: Man sieht Feuerwerk auch im Hellen. Jedenfalls, wenn genug Nebel drumherum ist.

Die Chinesen haben das mit dem Feuerwerk genauso raus wie das mit der Idee, dass böse Geister sich mit ordentlich Krach verjagen lassen. Nur Drachen sollen davon nicht wegfliegen, die sind in China was Gutes, und dieses Jahr sowieso, es ist ein Drachenjahr.

Mehr neue Jahre?

Ende Dezember am Times Square.

Ende September vor der Synagoge.

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Schnee: Na endlich (was zum Meckern)!

Saturday, 21. January 2012 15:53

Auch mich hat das nervös gemacht. Im Dezember ging es ja noch so. Aber kaum hatte das neue Jahr angefangen, wurde es echt ungemütlich. Sobald irgendwo in weiter Ferne sich ein Wolkenfeld in unsere Gegend aufmachte, ging die Bitterkälte stiften und es wurde warm genug für Regen. Kein Schnee in New York, nirgends.

Plötzlich ändert sich der Wetterbericht, und sofort machen alle auf Ironie. “Uh, ob ich das schaffe am Samstag, bei dem Schneesturm, ich weiß ja nicht.” Heimlich freuen wir uns natürlich. Allein schon, weil wir uns über die Eispfützen beschweren können und übers Auto-unter-Schneebergen-suchen und Salzringe auf Stiefeln und ausverkaufte Schneeschaufeln. Und wir werden nervös. Das weiße Zeug liegt erst seit ein paar Stunden. Aber ich glaube, es taut schon wieder.

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Punkte sammeln bei Damien Hirst

Friday, 20. January 2012 16:17

Ach, jetzt schaut mich schon wieder eine von denen von oben nach unten und vor allem von oben herab an (dabei sitzt sie und ich stehe, aber die haben den Bogen eben raus). Galerie-Tresen-Tippsen gehören zu dem wenigen, was in New York absolut berechenbar ist. Aber der Reihe nach. Das da oben sind Bilder von Damien Hirst. Davon gibt es ganz viele. Zum Beispiel auch dies:

Damien Hirst hat eben nicht nur Haie in Formaldehyd eingelegt, sondern auch ganz, ganz viele Punkte gemalt (oder besser gesagt: malen lassen). Und sein Galerist Larry Gagosian stellt jetzt all die gesammelten Punkt-Werke aus. Weil er ein beachtliches Galerie-Imperium besitzt, kann man dazu allein in New York in drei Galerien fahren (die beiden Fotos sind aus zwei verschiedenen). “The Complete Spot Paintings” hängen in elf Galerien, in acht Städten, in sieben Ländern, auf drei Kontinenten.

Wer sie sich alle anschaut, bekommt ein Geschenk. Und deswegen guckt mich die Frau so blöde an. Ich sehe vielleicht nicht so aus, als würde ich um die Welt jetten, um Punkte zu sammeln. Aber ich bin von Berufs wegen neugierig. Ich möchte gerne wissen, wie die das denn nachhalten, dass jemand in den ganzen Galerien gewesen sein will. Die Frau hebt wortlos eine Karte hoch, und ich denke, ich darf die haben. Sie zieht sie entsetzt weg.

“Da müssen Sie erst mal die Prozedur durchlaufen”, sagt sie, und ich bin davon überzeugt, dass in diesem Fall “procedure” genau richtig übersetzt ist, so meinte die das. Damit ich eine vernünftige Antwort bekomme, setze ich ein fröhliches “Toll, dann möchte ich gerne mitmachen” hinterher. Das verfinstert ihre Miene aber nur, und deshalb zieht sie jetzt erst mal ein mehrseitiges Regelwerk aus einer Schublade. Am Ende erfahre ich zumindest: Wer die Karte hat, lässt sie sich in jeder Galerie abstempeln. Und wer wirklich jede schafft, bekommt einen Druck. Ganz einfach also, aber es war eine rechte Prozedur, das herauszufinden.

Fast ärgere ich mich, dass ich vorher so viel Zeit mit den Bildern verbracht habe. Aber es hat geholfen. Ich glaube, dieser Effekt, dass die Bilder einem vor den Augen verschwimmen, geht von den helleren Punkten aus. Oder vom leeren Magen.

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Wo der Frack sich dem Pinguin annähert

Thursday, 19. January 2012 19:43

Das sieht nach typisch New York aus: Irgendeiner ist immer zu gut angezogen, irgendeiner ist immer zu exzentrisch, und manches Mal ist es ein und dieselbe Person. Aber der Mann ist kein Einzelfall.

Diese Leute sind nicht etwa für eine Fotosession aufs Glatteis geführt worden. Auch wenn sie gutes Bildmaterial abgeben. Sie sind dem Aufruf der New York Winter Society nachgekommen und haben sich für den Ice Ball in Schale geworfen. Einen Ballsaal gibt es nicht. Man kommt einfach in repräsentativer Kleidung zur verabredeten Zeit zur einzigen (meines Wissens nach jedenfalls) Gratis-Eislaufbahn in New York.

Und so ziehen sie zwischen ganz normalen Schlittschuhläufern ihre Runden und sehen so fabelhaft aus, dass selbst die Jungs sich zurücknehmen, die hier am Citi Pond im Bryant Park sonst so gerne mit ihren unvermittelten Seitenschwüngen und Vollbremsungen Eindruck schinden.

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Gerührt, nicht geschüttelt

Wednesday, 18. January 2012 12:49

Abgegriffen. Ausgelutscht. Mir fallen nur Worte ein, die in diesem Zusammenhang missverständlich ausfallen. Deshalb schreibe ich es lieber so: Die Aussicht auf ein Egg Sandwich entlockt wohl keinem New Yorker ein freudig erstauntes “Oh, das klingt gut, was ist das denn?”. Eier zwischen Brotscheiben oder dem, was der Amerikaner unter Brötchen versteht, gibt es in jedem Eckladen, schnell eingeschlagen zum Mitnehmen, und draußen bullert der Automotor.

Trotzdem kann so ein Egg Sandwich lecker sein. Es kann sogar auch so aussehen. Ich habe zugeschaut, wie der junge Mann das Ei gerührt hat, aber ich komme trotzdem nicht dahinter, wie er das so hingekriegt hat. Das Brötchen dazu ist so ein “artisanal”-Schnickschnack, übertrieben auf hausgemacht getrimmt – und köstlich. So. Will jetzt wirklich noch einer fragen, was das denn ist?

Also gut: Teuer ist das.

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Puppenspielertricks

Tuesday, 17. January 2012 18:52

Graf Zahl ist nicht da. Die Sesamstraße hatte ich ja auch gar nicht erwartet, aber Puppen – schon.

Den Titel der Veranstaltung finde ich ärgerlich irreführend: Fireside Puppet Chats. In der Reihe, die die Puppenspielerin Kate Brehm organisiert, steht heute Mathematik auf dem Programm, und ich dachte, so etwas mit Puppen umgesetzt, das wäre doch was für mich. Aber es gibt weder einen Kamin noch Puppen, nur Puppenspieler. Am Ende lerne ich aber doch noch etwas: Man kann an einer Hand bis 31 zählen. Wenn man das Dualsystem verwendet. Kate macht es vor, hat diesen Fakt und die dazugehörigen Handzeichen aber nicht in ihrem Beruf gelernt, sondern von einem programmierenden Mitbewohner.

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Stoppschild

Monday, 16. January 2012 18:25

Ampeln, Zebrastreifen, Schülerlotsen: Es gibt viele Möglichkeiten, die Leute davon abzuhalten, einfach über die Straße zu rennen. Auch in New York, wo man sich weniger am Symbol in der Ampel orientiert als an dem, was man auf der Straße kommen sieht (die vielen Einbahnstraßen machen das übersichtlich). Das hier lässt alle warten. Bis diese gehetzte Frau kommt und uns dran erinnert, wo wir sind.

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Kalte Knochen in Gravesend

Sunday, 15. January 2012 14:44

Wann, wenn nicht an einem Wintertag, bei dem einem allein vom Wind die Knochen erkalten, fahre ich in einen Vorort namens Gravesend? Dessen Stadtrechte gehen auf das Jahr 1643 zurück, als das Drumherum noch längst nicht New York hieß und man hier nicht Englisch, sondern eine der Lenape-Sprachen oder Holländisch sprach. Außer in Gravesend. Es war die erste Ansiedlung mit Stadtrechten in Englisch, und die erste in der ganzen Neuen Welt, die von einer Frau gegründet wurde: Lady Deborah Moody war als Witwe in die USA gegangen, weil sie als Wiedertäuferin in England verfolgt wurde.

Lady Moody benannte ihre kleine Stadt nach dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Kent (wer mehr auf der Seite der Niederländer steht, beharrt allerdings darauf, dass das von niederländischen Worten für Kiesstrand kommt) und gab ihr – noch ein Novum – die Rasterstruktur, für die heute Manhattan so berühmt ist. Dabei liegt Gravesend weit draußen in Brooklyn, kurz vor Coney Island. Und selbstverständlich gibt es auch Gräber, darunter uralte, ich meine so richtig uralte.

Und gleich neben dem Gravesend Cemetery liegen noch mehr Gräber, auf dem kleinen Friedhof der Familie van Sicklen, die sich zusammen mit Lady Moody (und mehr als 20 weiteren Familien) hier niedergelassen hatte, aber, wenn man der Legende glauben mag, nach Streitereien neben ihren Feinden nicht mal begraben sein mochten, jedenfalls nicht ohne Zaun dazwischen.

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