Beitrags-Archiv für die Kategory 'High Life'

Tagessuppe a la Lower East Side

Monday, 30. January 2012 23:50

Die Tagessuppe in diesem Etablissement mag vielleicht etwas dünn ausfallen. Aber für Kalorienzähler ist sie doch nicht geeignet. Es sei denn, die wollen zählen – und können das nachher auch noch.

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New York liest!

Wednesday, 25. January 2012 20:26

Da sitzen sie und schauen dem entgegen, was sie als Beweis dafür werten, dass all diese vermeintlichen Experten falsch liegen: Kurze Texte sind nämlich nicht das Einzige, was überhaupt noch gelesen wird.

Der Chefredakteur des New York Magazine hat zu “Behind the Longreads” drei seiner Autoren mitgebracht: Wesley Yang, Jessica Pressler und Dan P. Lee sprechen über die Entstehung ihrer Long Reads – das sind sehr lange Geschichten, die aber eben keine Märchen, sondern Sachgeschichten sind. Und die wie hulle gelesen werden. Selbst die Aussicht, mehr über die Geschichten zu erfahren, zieht die Leute an: Es ist rappelvoll.

Wesley Yang macht aus seiner Geschichte jetzt ein Buch. Zum Schluss fragt jemand, wann denn so ein Punkt käme, wie man entschiede, dass da ein ganzes Buch drin stecke. Ganz einfach, sagt Yang: Er habe 50.000 Worte geschrieben, aber nur (!) 10.000 wurden gedruckt.

Ich bleibe jetzt mal bei 150 Worten. Ich will noch etwas lesen.

 

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Wo der Frack sich dem Pinguin annähert

Thursday, 19. January 2012 19:43

Das sieht nach typisch New York aus: Irgendeiner ist immer zu gut angezogen, irgendeiner ist immer zu exzentrisch, und manches Mal ist es ein und dieselbe Person. Aber der Mann ist kein Einzelfall.

Diese Leute sind nicht etwa für eine Fotosession aufs Glatteis geführt worden. Auch wenn sie gutes Bildmaterial abgeben. Sie sind dem Aufruf der New York Winter Society nachgekommen und haben sich für den Ice Ball in Schale geworfen. Einen Ballsaal gibt es nicht. Man kommt einfach in repräsentativer Kleidung zur verabredeten Zeit zur einzigen (meines Wissens nach jedenfalls) Gratis-Eislaufbahn in New York.

Und so ziehen sie zwischen ganz normalen Schlittschuhläufern ihre Runden und sehen so fabelhaft aus, dass selbst die Jungs sich zurücknehmen, die hier am Citi Pond im Bryant Park sonst so gerne mit ihren unvermittelten Seitenschwüngen und Vollbremsungen Eindruck schinden.

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Puppenspielertricks

Tuesday, 17. January 2012 18:52

Graf Zahl ist nicht da. Die Sesamstraße hatte ich ja auch gar nicht erwartet, aber Puppen – schon.

Den Titel der Veranstaltung finde ich ärgerlich irreführend: Fireside Puppet Chats. In der Reihe, die die Puppenspielerin Kate Brehm organisiert, steht heute Mathematik auf dem Programm, und ich dachte, so etwas mit Puppen umgesetzt, das wäre doch was für mich. Aber es gibt weder einen Kamin noch Puppen, nur Puppenspieler. Am Ende lerne ich aber doch noch etwas: Man kann an einer Hand bis 31 zählen. Wenn man das Dualsystem verwendet. Kate macht es vor, hat diesen Fakt und die dazugehörigen Handzeichen aber nicht in ihrem Beruf gelernt, sondern von einem programmierenden Mitbewohner.

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So ein Zirkus!

Monday, 2. January 2012 21:21

Ausgehen ist teuer. Aber die ganzen Künstler müssen ja irgendwo üben, und weil die Konkurrenz in New York besonders groß und die Ellenbogen besonders gestählt sind, übt man hier eben vor Publikum. Und ich habe eine gewisse Vorliebe für “work in progress” entwickelt – solche Shows kosten wenig und erhöhen die Spannung (dünn ist die Grenze zwischen begeistert und entgeistert). Nur: Funktioniert das auch mit Varieté- und Zirkusnummern?

Gleich bei der ersten Nummer bei der “Open Stage Variety Hour” des Bindlestiff Family Cirkus wird mir angst und bange. Das liegt aber nur daran, dass die Show im herrlichen Dixon Place ausverkauft ist. Ich bin die Erste, die sie nicht mehr hineinlassen. Die Frau hinter mir ist zuversichtlich, dass da noch was geht. Und dann holen sie eben Stühle aus der Bar und stellen sie an die Seite der Bühne. Da sitze ich genau in der imaginären Schusslinie des Diabolo, mit dem Zirkusdirektor Keith Nelson spielt. Es geht ohne Unfall. Diesmal.

Das, so lerne ich schnell, ist Teil des Spaßes, wenn man kein Theater, sondern Artistik in unfertiger Fassung anschaut: Die Künstler spielen mit Missgeschicken und Unzulänglichkeiten. Ich glaube, schon in der Mitte der ersten Nummer habe ich rote Bäckchen wie mit fünf. Und weil ich ja seitlich auf der Bühne sitze, sehe ich auch, wie furchtbar anstrengend es ist, so zu tun, als beherrsche man seine Nummer nicht – und bräuchte einen Luftballon als Hebehilfe.

 

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Lärm machen wie in den 90ern

Saturday, 17. December 2011 19:13

Vor 20 Jahren hat sich Phil Kline etwas ausgedacht, das zum Dezember gehört und im Dezember gehört werden soll in den Straßen von New York. Seither gibt es jedes Jahr “Unsilent Night”. Wenn sie es erklären sollen, sagen manche: Ach, da muss man dabei gewesen sein. Aber das sind ja schlecht erzählte Geschichten, die so enden. Ich versuche es mal andersherum. Nämlich mit den entscheidenen Zutaten:

plus

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ungefähr gleich

Hat nicht funktioniert? Na, dann eben noch die Rechenregeln: Phil Kline hat vier elektonische Stücke komponiert, die gleichzeitig draußen abgespielt das ergeben, was ihm vorschwebte. Das machte er zu einer Zeit, als Menschen mit Knopf im Ohr noch pure Science Fiction waren. Deshalb verteilte er ein paar Stereorekorder mit Kassetten mit je einem dieser Stücke an ein paar Freunde, und die liefen dann mit ihm durch New York, bis das Stück zu Ende war. Das hat er wiederholt, sich damit mehr Freunde gemacht, und inzwischen gibt es “Unsilent Night” in vielen anderen Städten auch.

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Reklamehelden

Monday, 12. December 2011 20:32

Anonymität ist alles. Jedenfalls, wenn man so etwas tut wie Poster Boy. Dann zeigt man sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit, man verbreitet seine Telefonnummer nicht, verbreitet sogar die Ansicht, Poster Boy sei gar keine Person, sondern ein Kollektiv. Mit einer Klinge bewaffnet geht Poster Boy in den Untergrund und kämpft gegen das Böse. In der U-Bahn schlitzt Poster Boy – nein, nicht Menschen, sondern Werbeplakate auf. Und baut daraus neue. Zum Beispiel solche:

Poster Boys neueste Werke

“Wir haben das einfach aus Langeweile angefangen”, sagt er dazu lässig. Aber ehe er das sagt, hat er Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Er will ja schließlich nicht verhaftet werden. Also vereinbart er mit Jamie Hook, dem Veranstalter der Open City Dialogue-Serie, dass er sich via Skype zuschalten lässt. Und so schauen wir alle auf eine Leinwand, auf der abwechselnd Slides mit Fotos und Kurzvideos von Poster Boy-Werken zu sehen sind – und auf ein ruckeliges Skype-Videobild.

Durch die Maske ist Poster Boy schwer zu verstehen. Aber man gewöhnt sich dran, er beantwortet alle Fragen, und am Ende bekommt er ganz viel Applaus. Dann wird er weggeschaltet, wir klatschen noch mal, und die Veranstalter beginnen, die Leinwand abzubauen. Und siehe da: Dahinter hervor kommt Poster Boy. Und noch einer. Und niemand wird verhaftet.

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Schlangenbuch

Thursday, 1. December 2011 19:39

Das sollte ich hier vielleicht gar nicht zeigen. Es könnte ein Feiertagsgeschenk werden. Also nicht genau dieses hier, aber ähnlich. Wie bitte, was das ist? Es ist ein kleines Buch, und zwar eines, das ich eben fabriziert habe. So was lernt sich ganz leicht in einer Stadt, in der die Museen sich gegenseitig übertrumpfen müssen mit verlockenden Veranstaltungen. Das American Folk Art Museum hat deshalb “Make It Thursday”: Da lernt man, etwas mit den Händen zu machen, und bekommt einen Becher Wein dazu. Und am Ende – tadaaa:

Das ist ein Snake Book. Außerdem habe ich auch noch ein Sternbuch gemacht. Aber das kann ich hier wirklich nicht zeigen. Sie verstehen schon.

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Weihnachtsschiffe

Saturday, 26. November 2011 19:33

Ich weiß nicht, ob es eine Definition für Paraden gibt. Aber vermutlich ist das schon irgendwie geregelt. Der Herr neben mir ist jedenfalls der Ansicht, zu einer Parade gehörten mindestens 30. Und er zählt dabei gewiss nicht Köpfe. Hier ist er jetzt doch höchst unzufrieden. Dass diese Parade keine Wagen hat, stört ihn nicht weiter, im Gegenteil. Schließlich ist das eine Hafenparade. Am ersten Samstag nach Thanksgiving schippern die Gefährte des New Yorker Hafens in weihnachtlicher Beleuchtung unter der Brooklyn Bridge durch. Sie werden sogar von einem alten Segelschiff angeführt. Aber 30 kommen sie nicht einmal nahe.

Dafür drehen sie eine Ehrenrunde. Jedes Schiff wird mit Jubel begrüßt. Besonders, wenn es tutet.

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Lacher auf der Kiste

Sunday, 20. November 2011 22:30

Der Comedy-Abend in der Beauty Bar hat neue Gastgeber. Und kaum haben die sich die Bühne unter den Nagel gerissen, schwant mir, dass Detroit New York übernommen hat. Heute jedenfalls kommen verdächtig viele Leute aus Michigan, und das schickt mir so Kalauer in den Kopf wie “na, immerhin ihren Humor haben sie nicht verloren” (womit ich nicht den letzten Künstler unter den Tisch fallen lassen will – New Jersey hat schließlich am Ende die Hosen runtergelassen). Die anderen Leute hier ahnen ja nicht, wie viel Glück sie haben, dass mich niemand auf die Bühne geschickt hat. Bei deren Anblick frage ich mich, ob wir hier Zeugen eines Rekords werden:

Die kleinste Bühne der Welt. Na ja gut, eine der beiden Kisten können wir doch noch wegnehmen, oder?

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Bühne frei!

Tuesday, 15. November 2011 23:47

Wenn die anderen in den Brunnen springen, springst du ja auch nicht hinterher, hat mein Vater immer gerne gesagt. Aber ich muss ja unbedingt alles nachmachen. Da besuche ich eine liebe Freundin, um mir ihre neugeborene Tochter anzuschauen, und sie erzählt mir davon, dass das alles wahr ist, was sie übers Kinderkriegen sagen: Sie schwebt auf einer Hormonwolke dahin. Das mache ich jetzt auch. Und das Coole daran ist: Ich muss mich dafür nicht einmal mit dreckigen Windeln herumschlagen.

Ich fühle schon alle möglichen Hormone durch mich hindurchrauschen, als ich vor dem Mikro stehe und lese, aber die große Flut kommt erst hinterher. Alles erscheint mir perfekt. Ich habe mein New Yorker Literatur-Debüt am besten Ort, zur besten Zeit, vor dem besten Publikum gegeben – und, wie sie hier sagen: I nailed it. I rocked the house.

Stolz und dankbar bin ich, und ich stelle mir vor, dass dafür dieselben Hormone verantwortlich sind wie bei meiner Freundin. Dieser Moment bleibt. Ich habe im altehrwürdigen Players Club gelesen, umgeben von den größten Dramen der Welt, vor Elite-Publikum, und als wäre das noch nicht genug, eingeladen und angesagt vom wunderbaren Brute Force, der mir hinterher anerkennend zunickt und sagt: “Wann kannst du das nächste Mal herkommen?”

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