Beitrags-Archiv für die Kategory 'High Noon'

Wo in New York die Uhr tickt

Tuesday, 31. January 2012 12:48

Ich habe gehört, es ist kalt in Deutschland. Hier wird der Winter immer seltsamer. Kein Schnee, nirgends, und heute fühlt sich die Sonne wie Frühling an, nur die Gegend sieht falsch aus dazu. Aber in der Mittagspause komme ich an Menschen vorbei, die ihren Lunch im Park genießen.

Es ist ein kleines Vergnügen in einer Ordnung, die aus den Fugen geraten ist. Und gleich um die Ecke erinnern Zahlen daran, dass noch etwas ganz anderes nicht stimmt (obwohl wir uns fröhlich auf der Sonnenseite wähnen).

Das ist die Schuldenuhr. Sie hängt gleich neben einer Niederlassung der Steuerbehörden in New York und hält fest, wie tief die USA im Minus stecken. Oder besser gesagt, sie hält es ja eben gerade nicht fest. Sie ist immer in Bewegung. Und sie rechnet dabei auch ständig vor, welcher Anteil an Schulden auf jede Familie entfällt. Vor etwas weniger als zwei Monaten sah das noch so aus:

Ja, ich weiß, das wirkt irreführend, die Momentaufnahmen in dieser Reihenfolge zu zeigen. Es könnte schließlich einer auf die Idee kommen, es werde schon irgendwie besser.

Aber das denken wir hier doch alle.

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Im Bahnhof aufschlagen

Tuesday, 24. January 2012 12:15

Was machen die Männer da? Ganz einfach: Sie bauen einen Squash Court, bei dem man den Sportlern gut zuschauen kann. Auch wenn das ein bisschen den Verkehr aufhält. Dieses Squash-Turnier findet nämlich in einem der großen New Yorker Bahnhöfe statt:In einem Durchgang in Grand Central hauen sich die Teilnehmer die Bälle um die Ohren, und die donnern ganz schön vor die Wände. Wer im Publikum sitzt oder steht und zusammenzuckt, hat verloren.

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Krach für Drachen

Monday, 23. January 2012 12:25

Es mag ja ein wenig neblig sein in New York. Aber das hier ist kein Wetterphänomen. Das ist das sichtbare Gegenstück dessen, was ich höre.

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Es ist nämlich schon wieder Neujahr, diesmal in Chinatown. Eigentlich hat das natürlich schon um Mitternacht angefangen, aber in New York ist Privatgeböller verboten (es brennt auch so schon viel zu oft). Also machen sie das in einer offiziellen Zeremonie mitten am Tag, an dessen Ende ich lerne: Man sieht Feuerwerk auch im Hellen. Jedenfalls, wenn genug Nebel drumherum ist.

Die Chinesen haben das mit dem Feuerwerk genauso raus wie das mit der Idee, dass böse Geister sich mit ordentlich Krach verjagen lassen. Nur Drachen sollen davon nicht wegfliegen, die sind in China was Gutes, und dieses Jahr sowieso, es ist ein Drachenjahr.

Mehr neue Jahre?

Ende Dezember am Times Square.

Ende September vor der Synagoge.

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Gerührt, nicht geschüttelt

Wednesday, 18. January 2012 12:49

Abgegriffen. Ausgelutscht. Mir fallen nur Worte ein, die in diesem Zusammenhang missverständlich ausfallen. Deshalb schreibe ich es lieber so: Die Aussicht auf ein Egg Sandwich entlockt wohl keinem New Yorker ein freudig erstauntes “Oh, das klingt gut, was ist das denn?”. Eier zwischen Brotscheiben oder dem, was der Amerikaner unter Brötchen versteht, gibt es in jedem Eckladen, schnell eingeschlagen zum Mitnehmen, und draußen bullert der Automotor.

Trotzdem kann so ein Egg Sandwich lecker sein. Es kann sogar auch so aussehen. Ich habe zugeschaut, wie der junge Mann das Ei gerührt hat, aber ich komme trotzdem nicht dahinter, wie er das so hingekriegt hat. Das Brötchen dazu ist so ein “artisanal”-Schnickschnack, übertrieben auf hausgemacht getrimmt – und köstlich. So. Will jetzt wirklich noch einer fragen, was das denn ist?

Also gut: Teuer ist das.

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Kalte Knochen in Gravesend

Sunday, 15. January 2012 14:44

Wann, wenn nicht an einem Wintertag, bei dem einem allein vom Wind die Knochen erkalten, fahre ich in einen Vorort namens Gravesend? Dessen Stadtrechte gehen auf das Jahr 1643 zurück, als das Drumherum noch längst nicht New York hieß und man hier nicht Englisch, sondern eine der Lenape-Sprachen oder Holländisch sprach. Außer in Gravesend. Es war die erste Ansiedlung mit Stadtrechten in Englisch, und die erste in der ganzen Neuen Welt, die von einer Frau gegründet wurde: Lady Deborah Moody war als Witwe in die USA gegangen, weil sie als Wiedertäuferin in England verfolgt wurde.

Lady Moody benannte ihre kleine Stadt nach dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Kent (wer mehr auf der Seite der Niederländer steht, beharrt allerdings darauf, dass das von niederländischen Worten für Kiesstrand kommt) und gab ihr – noch ein Novum – die Rasterstruktur, für die heute Manhattan so berühmt ist. Dabei liegt Gravesend weit draußen in Brooklyn, kurz vor Coney Island. Und selbstverständlich gibt es auch Gräber, darunter uralte, ich meine so richtig uralte.

Und gleich neben dem Gravesend Cemetery liegen noch mehr Gräber, auf dem kleinen Friedhof der Familie van Sicklen, die sich zusammen mit Lady Moody (und mehr als 20 weiteren Familien) hier niedergelassen hatte, aber, wenn man der Legende glauben mag, nach Streitereien neben ihren Feinden nicht mal begraben sein mochten, jedenfalls nicht ohne Zaun dazwischen.

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Verbrecherjagd

Monday, 9. January 2012 12:24

Habe ich etwa einen Knick in der Optik? Das Design des Plakats und des Graffiti auf dem Lastwagen erscheint mir wie aus einem Guss, wie ein Frage-Antwort-Motiv in der Musik.

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Die Stars von Spanish Harlem

Friday, 6. January 2012 11:14

Ich finde ja nicht, dass New York ein Schmelztiegel ist, und das finde ich auch gut so. Schließlich staune ich so gerne, und das passiert viel öfter, wenn Lebensstil und Kultur an jeder Ecke anders ausfallen. In den dicht gedrängten Parallelgesellschaften habe ich etwas entdeckt, das mich an Deutschland erinnert: Heute hatten so manche Kinder ihre blankgeputzten Schuhe in der Hoffnung aufgestellt, am Morgen Geschenke darin zu finden. Das habe ich früher zu Nikolaus gemacht, hier machen es viele hispanische Gemeinden am Dreikönigstag. Und in East Harlem (auch: Spanish Harlem oder El Barrio) halten sie zu diesem Anlass außerdem seit 35 Jahren eine Parade ab.

Genau, da kommen die Könige und bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Weil es nun mal eine Parade ist, laufen auch ganz viele Grüppchen mit, fast alle mit Papierkronen geschmückt, und Musik machen sie auch. Von buchstäblich nur drei Königen kann also keine Rede sein. Man beachte das Schuhwerk dieser Herren:

Aber Könige hin, Könige her: Die bekommen hier zwar alle ordentlich Fußvolk, aber keine Polizeieskorte. Die ist den wahren Stars dieser Parade vorbehalten. Ich hatte Sorge, ich hätte sie verpasst, aber sie kommen erst zum Schluss. Also genauer gesagt fast ganz zum Schluss. Hinter ihnen laufen drei Männer von der Stadtreinigung mit riesengroßen grünen Mülleimern. Aber das wollen wir gar nicht so genau sehen, oder? Hier kommen die Stars:

 

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Was der East River verbirgt

Wednesday, 4. January 2012 13:05

Die Möwen sitzen da nicht zufällig herum. Die wissen, was CSO ist: Combined Sewage Overflow. Ich weiß das jetzt auch. Wenn die New Yorker Abwasser-Einrichtungen so sehr mit Dreck überschwemmt werden, dass sie das Wasser nicht mehr ordentlich aufbereiten können, dann öffnen sich an bestimmten Orten an den diversen Ufern die Schleusen an verstecken Rohren, und das Abwasser geht ungefiltert in die Gewässer. Das soll heutzutage für den sich regenerierenden Fluss um Manhattan herum (den New Yorker wie zwei Flüsse behandeln) die Umweltverschmutzungsquelle Nummer Eins sein.

Das merkt man gar nicht, wenn man an dieser Stelle auf der East River Esplanade vorbeiflaniert. Und wenn doch, soll man die Behörden anrufen: Bei trockenem Wetter gehört da nichts hin, was Möwen interessieren könnte – die Brühe wird nur bei Niederschlagswetter zu Wasser gelassen. Letzten Sommer ist das ordentlich schiefgegangen, so sehr, dass ganz viele Strände geschlossen wurden.

Dazu will natürlich niemand beitragen. Ein Technikfreak ist bereits auf die Idee gekommen, Messgeräte mit den Abwasserpegeln und dem Netz zu verdrahten. Bei Don’t Flush Me kann man dann online (oder per SMS-Warnung) erfahren, ob der Bottich bald wieder überläuft.

Thema: draußen, High Noon | Comments Off | Autor:

Eulen nach New York

Sunday, 1. January 2012 12:27

Es hängt schon eine ganze Weile im Meatpacking District, ist schon ein paar Jahre älter, und seine Wurzeln reichen nach Griechenland (zusammen mit Merry Crisis). Es ist also beileibe keine Sonderanfertigung allein für den heutigen Tag. Aber es passt schon.

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Hunderttausend verschwunden

Friday, 30. December 2011 14:18

Geld ist immer schneller weg, als man denkt. Das ist meine Lektion des Tages. Ich wollte mir auf den letzten Drücker “The First $ 100,000 I Ever Made” von John Baldessari anschauen, eine Hunderttausend-Dollar-Note aus der Inflationszeit auf Werbeplakatgröße gebracht, aber sie ist weg. Da stand zwar “bis 30.12.”, aber auf der High Line geht das mit dem Ende von Ausstellungen vielleicht anders als in Galerien und Museen – letzter Tag nicht inbegriffen? Heute ist der 30., und sie ist nicht nur weg, sondern es hängt auch schon andere Werbung da. Oder Kunst. Ist mir egal, davon mache ich kein Bild.

$ 100,000 sehen? Hier entlang.

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Silvester-Wünsche

Thursday, 29. December 2011 12:32

Gute Vorsätze ausdenken kann ja jeder. In New York darf man auch ein kleines bisschen träumen – und sich zum neuen Jahr etwas wünschen. Auch dieses Jahr wieder kann man mit besten Wünschen im Time Square Visitor Center auflaufen, sie in Worte fassen und auf ein Zettelchen schreiben, das kommt dann erst an die Wish Wall und später wird es das Konfetti, das auf die Massen herabregnet, wenn die Silvester-Kugel ins Rollen kommt.

Was da dann zusammenkommt, erscheint mir ein gutes Bild von New York – und seinen Besuchern – zu geben. Einer wünscht, dass Mama wieder gesund wird, ein anderer will mit seiner Show groß rauskommen, jemand wünscht seine Brüder heil zurück aus Afghanistan, irgendjemand möchte unbedingt studieren, Zac Efron treffen, Profi-Eishockey-Spieler werden, Weltfrieden hängt da neben Geld, Glück neben Reisen, und das hier:

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