Beitrags-Archiv für die Kategory 'High Tea'

Nicht schon wieder Crack!

Thursday, 2. February 2012 17:39

Manche Bezeichnungen sind gleichzeitig korrekt und irreführend. Sozusagen das alte “Teekesselchen”-Spiel im Extrem. Das fiel mir besonders auf, nachdem ich über den New Yorker Crack Pie geschrieben hatte – seitdem lieben Suchmaschinen mich, wenn jemand nach Crack-Rezepturen sucht. Dabei hat das eine mit Konditoreikunst und das andere mit Drogensucht zu tun, und es gibt keine Schnittstelle. Daran hatte ich gar nicht gedacht.

Deshalb kann ich es mir keinesfall erlauben, sarkastische Gedanken zu verfolgen, als ich sehe, wie missverständlich ein Öko-trifft-Feinkost-Laden seine Ware auszeichnet:

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Abschalten im Coffeeshop

Wednesday, 1. February 2012 16:50

Wie in anderen Großstädten auch sieht man in New York viele Leute im Café vor ihrem Computer sitzen. Manche schauen nur mal schnell etwas nach, manche lesen, und manche tun das, was sie Arbeit nennen. Besonders in Hipstervierteln kann das dazu führen, dass alle Tische den ganzen Tag lang von denselben Computern belegt sind.

Manche Cafés sind extra dafür ausgelegt, sie bieten nicht nur WiFi, sondern auch Stromanschlüsse direkt auf dem Tisch, und sie haben Gäste, die wissen, dass man artig jede Stunde wieder etwas Neues bestellt. Andere Cafés hätten lieber mehr Fluktuation, weniger Stromverbrauch und mehr freie Sicht auf Gesichter. Das müssen sie ihren Gästen natürlich irgendwie beibringen. In diesem Laden in Williamsburg geschieht das sehr freundlich:

Ich habe aber auch schon Tisch-Aufsteller gesehen, auf denen stand: “Das ist hier nicht dein Büro.” Mit Hinweisen, was alles nicht auf den Tisch darf. In Großbuchstaben und mit dem Zusatz, das gelte auch für iPads.

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Geheimnis am Silver Lake

Sunday, 29. January 2012 15:26

Nicht nur Los Angeles hat so etwas. Auch in New York gibt es einen Silbersee:

Und im Winter schimmert das Wasser des Silver Lake besonders silbern. Es war einmal ein Frischwasser-Reservoir, so wie das Wasser in der Mitte der Jogger-Strecke im Central Park. Der Silver Lake Park in Staten Island ist aber viel ruhiger. Ein Schatz soll da drin ja auch nicht liegen. Ein Gutteil ist heute ein Golfplatz, unter dem angeblich Leichen von anno tuck liegen. Huh! Ich stoße beim Spaziergang aber auf ein anderes Geheimnis:

Da ist ein Beet abgesteckt, jetzt im Winter natürlich auch ganz schön abgeräumt, und an einer Seite steckt eine orange Sonne mit Widmung. Eine der Bänke im Hintergrund hat auch eine Widmung.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Geschichte dahinter richtig verstanden habe. Ich glaube, das hier erinnert an einen jungen Mann, der bereits zu Schulzeiten einen erfolgreichen Nachhilfedienst aufgezogen hatte und dann nach Harvard ging, wo er mit 19 Jahren starb. Im Schlaf.

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Dünger in der Großstadt

Saturday, 28. January 2012 16:15

Nein, das hört nicht auf. In vielen Stadtteilen New Yorks sieht man Hundebesitzer zwar hinter den Hinterlassenschaften ihrer Fifis herräumen oder Leute hastig zur Seite springen, wenn mal wieder einer sich mit frischer Scheiße in der Hand einen Weg durch die Menschenmenge bahnt, nur den Mülleimer fest im Blick. Trotzdem müssen sich New Yorker immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um sich gegen die Kackbomben zu wehren. Oder gegen den weitverbreiteten Irrtum, massenweise Exkremente seien gut für die Botanik.

Mehr Schilder für Hunde?

Kackfrei

Terrorhunde

Pups

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Rätsel: Neuer Straßensport?

Thursday, 26. January 2012 17:24

In New York sieht man an jeder Ecke eine Kette. Manchmal hält sie nur noch die Überreste dessen, was da gesichert werden sollte. Oft hängt ein Fahrrad dran. Oder sogar Rollschuhe. Jedenfalls etwas, mit dem man sich schnell aus dem Großstadtstaub machen kann. Deshalb gibt mir dieser Anblick Rätsel auf:

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Schnee: Na endlich (was zum Meckern)!

Saturday, 21. January 2012 15:53

Auch mich hat das nervös gemacht. Im Dezember ging es ja noch so. Aber kaum hatte das neue Jahr angefangen, wurde es echt ungemütlich. Sobald irgendwo in weiter Ferne sich ein Wolkenfeld in unsere Gegend aufmachte, ging die Bitterkälte stiften und es wurde warm genug für Regen. Kein Schnee in New York, nirgends.

Plötzlich ändert sich der Wetterbericht, und sofort machen alle auf Ironie. “Uh, ob ich das schaffe am Samstag, bei dem Schneesturm, ich weiß ja nicht.” Heimlich freuen wir uns natürlich. Allein schon, weil wir uns über die Eispfützen beschweren können und übers Auto-unter-Schneebergen-suchen und Salzringe auf Stiefeln und ausverkaufte Schneeschaufeln. Und wir werden nervös. Das weiße Zeug liegt erst seit ein paar Stunden. Aber ich glaube, es taut schon wieder.

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Punkte sammeln bei Damien Hirst

Friday, 20. January 2012 16:17

Ach, jetzt schaut mich schon wieder eine von denen von oben nach unten und vor allem von oben herab an (dabei sitzt sie und ich stehe, aber die haben den Bogen eben raus). Galerie-Tresen-Tippsen gehören zu dem wenigen, was in New York absolut berechenbar ist. Aber der Reihe nach. Das da oben sind Bilder von Damien Hirst. Davon gibt es ganz viele. Zum Beispiel auch dies:

Damien Hirst hat eben nicht nur Haie in Formaldehyd eingelegt, sondern auch ganz, ganz viele Punkte gemalt (oder besser gesagt: malen lassen). Und sein Galerist Larry Gagosian stellt jetzt all die gesammelten Punkt-Werke aus. Weil er ein beachtliches Galerie-Imperium besitzt, kann man dazu allein in New York in drei Galerien fahren (die beiden Fotos sind aus zwei verschiedenen). “The Complete Spot Paintings” hängen in elf Galerien, in acht Städten, in sieben Ländern, auf drei Kontinenten.

Wer sie sich alle anschaut, bekommt ein Geschenk. Und deswegen guckt mich die Frau so blöde an. Ich sehe vielleicht nicht so aus, als würde ich um die Welt jetten, um Punkte zu sammeln. Aber ich bin von Berufs wegen neugierig. Ich möchte gerne wissen, wie die das denn nachhalten, dass jemand in den ganzen Galerien gewesen sein will. Die Frau hebt wortlos eine Karte hoch, und ich denke, ich darf die haben. Sie zieht sie entsetzt weg.

“Da müssen Sie erst mal die Prozedur durchlaufen”, sagt sie, und ich bin davon überzeugt, dass in diesem Fall “procedure” genau richtig übersetzt ist, so meinte die das. Damit ich eine vernünftige Antwort bekomme, setze ich ein fröhliches “Toll, dann möchte ich gerne mitmachen” hinterher. Das verfinstert ihre Miene aber nur, und deshalb zieht sie jetzt erst mal ein mehrseitiges Regelwerk aus einer Schublade. Am Ende erfahre ich zumindest: Wer die Karte hat, lässt sie sich in jeder Galerie abstempeln. Und wer wirklich jede schafft, bekommt einen Druck. Ganz einfach also, aber es war eine rechte Prozedur, das herauszufinden.

Fast ärgere ich mich, dass ich vorher so viel Zeit mit den Bildern verbracht habe. Aber es hat geholfen. Ich glaube, dieser Effekt, dass die Bilder einem vor den Augen verschwimmen, geht von den helleren Punkten aus. Oder vom leeren Magen.

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Stoppschild

Monday, 16. January 2012 18:25

Ampeln, Zebrastreifen, Schülerlotsen: Es gibt viele Möglichkeiten, die Leute davon abzuhalten, einfach über die Straße zu rennen. Auch in New York, wo man sich weniger am Symbol in der Ampel orientiert als an dem, was man auf der Straße kommen sieht (die vielen Einbahnstraßen machen das übersichtlich). Das hier lässt alle warten. Bis diese gehetzte Frau kommt und uns dran erinnert, wo wir sind.

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Zum Trocknen nach Grand Central

Friday, 13. January 2012 16:43

Die Toiletten in Grand Central entsprechen ja zum Glück nicht den Vorstellungen von einem traditionellen Bahnhofsklo. Sie sind recht sauber. Und als ich sie wieder verlasse, geben sie mir einen dieser Momente, über die ich hier schreibe. Es gibt ja Leute, die in allem, was sie sehen, sofort einen Grund finden, sich aufzuregen, meist kommen dabei andere Leute ganz schlecht weg. Andere Leute sehen ständig etwas, das ihre Neugier entfacht. Mit beidem zu reagieren geht natürlich auch, aber irgendwas muss ja nun mal zuerst kommen. Also hergeschaut:

Viele Touristen, die hier notgedrungen eingekehrt sind, denken bei diesem Anblick bestimmt: Ach, sieh mal, wie doof die Leute hier sind, denen muss man ja wirklich alles erklären. Ich bin mir da nicht so sicher. Was, wenn die Leute hier einfach nur verdammt erfinderisch sind? Ich frage mich jedenfalls, für welche Zwecke diese Händetrockner schon verwendet wurden, bevor jemand diesen Zettel geschrieben, ausgedruckt und aufgehängt hat.

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Keine Macht dem Feinstaub

Thursday, 12. January 2012 16:59

New Yorker Schulen sind Bastionen gegen das Böse. Jedenfalls versuchen sie das mit diversen Mitteln. An vielen Schulgebäuden sieht man Schilder, die die Schule zur drogenfreien Zone erklären und Drogenhändlern Strafverfolgung androhen. Manche lassen Schüler, Lehrer, andere Mitarbeiter und Eltern durch Metalldetektoren laufen, wenn sie die Schule betreten möchten.

Schuldirektoren hier und da hängen Plakate auf, die die Sache mit den Drogen aufgreifen: Sie erklären die Schule zur zuckerfreien Zone. Schließlich stellen sich Eis- und Süßigkeitenhändler gern mittags dorthin, wo Schulkinder zu erwarten sind. Das sind alles schon schwer zu bekämpfende Gegner. Aber Luftverschmutzung?

Asthma ist in einigen Stadtteilen ein Riesenproblem. Erst bezweifle ich, dass es sich von einem Schild in die Flucht schlagen lässt – aber die Aufforderung leuchtet mir ein. Tja, man sollte eben den gesamten Text lesen. Wie in der Schule.

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Spaziergang durch New Yorks Geschichte

Tuesday, 10. January 2012 14:35

John Huston Finley, so schreiben die Gelehrten, ging oft spazieren. Deshalb ist ein schönes Stück Spazierstrecke nach dem Mann benannt, der am Ende seines Lebens Chefredakteur der New York Times war: Der John Finley Walk führt von der 63rd bis zur 125th Street die East River Esplanade entlang, direkt am Wasser, aber viel höher und mit Gitter, so zur Sicherheit.

Diesen Hinweis darauf, in wessen Fußstapfen wir hier wandeln, finde ich im südlichen Teil des Spazierwegs, neben dem Carl Schurz Park. Der wiederum steht für die guten alten Zeiten von Yorkville: Das Viertel auf der Upper East Side war lange Zeit eine deutsche Enklave. Im frühen 20. Jahrhundert wurde der Park nach Schurz benannt. Eben nach einem dieser Deutschen dort, könnte man mit Recht sagen.

Aber seine Schwester und er haben noch ein viel bekannteres Erbe hinterlassen: Sie sorgten dafür, dass das Kindergartensystem in den USA eingeführt wurde. Schurz wurde außerdem ein bekannter Journalist. Ob er aber John Finley hier in der Ecke mal getroffen hat, weiß wohl niemand mehr.

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