Beitrags-Archiv für die Kategory 'wait a second'

Rätsel: Ich sehe was, was du nicht siehst

Wednesday, 14. December 2011 23:45

Wir sind ja hier nicht im Land der Dichter und Denker. Aber … was sich einer denkt, der so eine Nachricht auf eine Leinwand am Times Square schickt, das ist mir ein Rätsel.

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Moment mal: Beethovenmonat?

Saturday, 19. November 2011 17:12

“Awareness” ist eine wichtige Sache. Ich kann das nicht so recht übersetzen, und jedes Mal aufs Neue frage ich mich, ob das nicht mehr an der dahinterstehenden Kultur als an der Vokabel liegt. In New York gehört es zum Alltag, sich für andere einzusetzen – natürlich nicht in der U-Bahn, in der Wartschlange oder sonstwo, wo man andernorts gutes Benehmen beobachten kann. Aber es gibt unzählige Organisationen, die Gutes im Sinn haben, und denen gibt man Geld oder Zeit. Weil die Organisationen wiederum auf Spenden und auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sind, lassen sie sich etwas einfallen. Und ein Teil davon ist “awareness”: Sie machen auf ihr Anliegen aufmerksam. Da gibt es dann einen Cancer Awareness-Lauf oder HIV-Awareness-Schleifchen, oder man lässt namhafte Architekturbüros Modelle aus Lebensmitteldosen bauen, um auf den Hunger in der Stadt aufmerksam zu machen (jahaa, Canstruction!).

Das jetzt mal so als Hintergrund. Und dann dies hier: Ein Klassikradiosender hat den Beethoven Awareness Month ausgerufen. Und kein geringerer als Shephard Fairey hat das Plakat dafür gemacht.

Ich weiß nur nicht, ob das alles funktioniert – ich habe das Foto schon vor Wochen gemacht und … glatt vergessen, darüber zu schreiben.

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Waffenstillstand

Monday, 14. November 2011 22:44

Das Feiertagswochenende ist dann auch wieder vorbei. In New York zu leben kann bedeuten, Daten ganz neu zu verstehen. Früher war der 11. November für mich der Tag, an dem die Narren losgelassen werden, um mir später kotzend im Regionalexpress beizubringen, dass Hoffnung bedeutet, der Narrenhut möge dichthalten (und nichts auf meinen Schoß tropfen lassen). In New York habe ich gelernt, dass der 11. November Veteranentag ist. Und wer gab den Ausschlag dafür. dass an diesem Tag die Soldaten durch die Stadt marschieren? Am 11.11. zur 11. Stunde unterschrieben die Deutschen den Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg beendete. Das war 1918. In der Gegenwart wollen die USA ihre Truppen aus dem Irak abziehen.

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Wahr oder falsch?

Tuesday, 27. September 2011 22:42

Jeden Tag werden an der Wall Street Fachleute interviewt. Und in Zeiten, in denen die Börsen Achterbahn fahren, sucht man um so vehementer nach Antworten. Aber meistens halten sich die Analysten und Trader an ein Schema. Daraus bricht jetzt einer aus: Er sagt im BBC-Interview unter anderem, dass er sich seit Jahren auf eine neuerliche Rezession freut. So sieht das aus:

Das wirft die Frage auf, ob es diesen Alessio Ratani tatsächlich gibt. Oder ob er ein Darsteller in einem genialen Mediencoup ist – und dafür geraten sofort ein paar New Yorker in Verdacht: die Yes Men. Die veröffentlichen daraufhin auf ihrer Website ein perfides Dementi, das facht die Zweifel nur um so mehr an. Die Diskussion um das Interview berührt schließlich die uralte Frage: Woran willst du glauben?

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Moment mal: Killer-Bikes?

Tuesday, 20. September 2011 23:01

Beim Stichwort “Fahrradunfall” denkt man an verunglückte Fahrradfahrer. Gegen LKW oder Taxis ziehen die schließlich meist den kürzeren. Aber New Yorker Fahrradfahrer sind gleichzeitig eine Gefahr. Heute lese ich die neuen Daten: Von den knapp 1000 Fußgängern, die im Bundesstaat New York von Fahrradfahrern verletzt wurden, hatte die Hälfte einen Unfall in New York City. Und wir reden hier nicht von harmlosen Kratzern – erfasst hat das Hunter College nur diejenigen, die im Krankenhaus behandelt wurden.

Viele dieser Unfälle haben offenbar eine ganz, ganz makabre Ursache: Dieselben Radfahrer, die sich lautstark beschweren, dass sich Autofahrer nicht um Verkehrsregeln scheren, fahren gern mal eine Abkürzung über Gehwege, ignorieren Ampeln oder rasen verkehrtherum durch die in New York weit verbreiteten Einbahnstraßen.

Das jetzt mal im Hinterkopf. Und dann: Die hiesige Verkehrsbehörde ist so begeistert vom Erfolg des Bike Sharing in Barcelona, dass sie mit 10.000 Fahrräder in das erste Bike Sharing Programm New Yorks einsteigen wird.

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Postkarte für die Lücke

Sunday, 11. September 2011 23:59

Zum zehnten Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 ist New York in Aufruhr. Gedenken trifft Terrorangst. Ich habe bis Mitternacht gewartet, diesen Eintrag (mit dieser Ergänzung) online zu stellen. Ich war bei keiner Feier. Aber ich habe ein schönes Foto von meiner liebsten Gedenkstätte.

Das ist “Postcard” auf Staten Island. Aufgenommen zu einer Zeit, als man zwischen den beiden Teilen hindurch noch auf eine Lücke schaute. Jetzt ist das neue WTC 7 ja schon riesig. Damals war da nur ein Nichts. Die beiden weißen Wänden sollen Postkarten sein, und in sie hinein sind kleine Granitplatten eingelassen mit den Namen der Opfer, die aus Staten Island stammten. Diese Platten haben von weitem betrachtet eigenartig unregelmäßige Kanten. Es sind die Gesichter dieser Menschen im Profil.

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Übersprungene Mahlzeiten

Thursday, 8. September 2011 19:20

Zweieinhalb Millionen New Yorker haben nicht genug Geld für etwas zu essen. Hier ist zwar der Staat New York gemeint, nicht die Stadt. Aber in den Stadtgrenzen liegen die Gegenden, die in den gesamten USA einen Hungerrekord aufstellen (darunter Hunts Point, Bedford Park und Mott Haven, alle in der Bronx).

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Sturmwarnung

Saturday, 27. August 2011 17:40

Aus gegebenem Anlass – vielen Dank für die vielen besorgten Nachfragen – ausnahmsweise ein Nachrichtenthema:

Warten auf Irene.

Ich glaube ja schon seit geraumer Zeit, dass die größte Glaubensgemeinschaft in New York die Ironiker sind. “Irony is over” leugnen deren Mitglieder genauso vehement wie ihre christlichen Fundamentalistenkollegen die Theorien eines gewissen Charles Darwin. Und im Moment nerven sie mich mal wieder. Gestern hätte ich zu einer Party gehen können mit dem Namen “Come on, Irene”. Untertitel: “Bring it, Bitch!” Dazu hieß es: Komm vorbei, wir lassen uns doch das Wochenende nicht versauen. Alles eine Frage der Prioritäten. Und beim fröhlichen Fest bei den Surfern in Rockaway haben sie “Irene, Goodnight” gespielt (hab ich mir sagen lassen).

Auch dann, wenn sie in der Evakuierungszone A im zehnten Stock zwar trocken bleiben, aber weder E-Mails checken noch Mikrowellenpopcorn machen können und die Toilette nicht geht und auch die Feuerwehr ganz schlecht hinkommt, nachdem die Party ein bisschen ausgeufert ist, haben Ironiker sicherlich einen catchy Slogan parat.

Mir gefällt ja “better safe than sorry” sehr gut, aber das ordnet mich gleich einer fremden Glaubensgemeinschaft zu.

Auch aus Deutschland kommt Sarkasmus bis Zynismus. Irene sei doch nur noch Stufe 1, wir New Yorker sollen uns nicht so viele Sorgen um die Frisur machen (dabei gehen wir donnerstags zum Friseur, nicht sonntags). Und überhaupt sei man in den USA doch Hurrikans gewohnt. Und soll da jetzt nicht solchen Wind drum machen. Schade, dass selbst hämisches Unwissen nicht vor Schaden schützt.

Wenn man auf einmal in einem Notstandsgebiet wohnt, also besser gesagt, wenn man wo wohnt, wo auf einmal vorsorglich der Notstand ausgerufen wird, kann man dafür Dinge lernen, von denen man immer dachte, man braucht so was nicht zu wissen oder zu behalten. Selbst Allgemeinplätze bekommen eine neue Bedeutung. Zum Beispiel:

Bei einem Hurrikan ist oft nicht der Wind das große Problem, sondern das Wasser. Erinnert sich noch jemand an Katrina?

Stromleitungen unter der Erde sind von Überflutungen bedroht. Stromleitungen über der Erde macht der Wind zu schaffen und das, was der Wind vor sich hertreibt (Bäume zum Beispiel). Ich frage mich, ob sich das der Mensch, der sich die Redensart “vom Regen in die Traufe kommen” ausdachte, hätte träumen lassen.

In Hochhäusern braucht es viel Kraft, um Wasser durch die Leitungen nach oben zu drücken. Meistens erledigen das Elektropumpen. Fällt der Strom aus, gibt es deshalb auch kein Wasser mehr.

Hausbesitzer werden nicht primär deswegen gebeten, die Fahrstühle auszuschalten, weil man Strom sparen soll. Sondern vor allem deshalb, weil die Feuerwehr in einem Megasturm keine Notrufe gebrauchen kann, weil einer im Fahrstuhl stecken geblieben ist (zum Beispiel, weil der Strom ausgefallen ist).

Wenn man Fenster von außen diagonal mit Klebeband abklebt, fallen die Scherben nach unten, nicht mit Hochgeschwindigkeit nach innen, wenn der Sturm die Scheibe zerstört.

Obwohl die Karibikinsel Kuba schwer unter Hurrikans zu leiden hat, beklagt man dort nur wenige Todesopfer. Die Vereinten Nationen loben schon seit rund zehn Jahren Kuba für seine Vorsorge bei diesen Stürmen. Unter anderem wird dort frühzeitig evakuiert.

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Rätsel: Geheimes Raucherparadies?

Tuesday, 2. August 2011 12:16

Ja was denn nun: “No Smoking”? Oder “allowed”? Dieses Schild macht doch glatt den Eindruck, es stamme aus einer Stadt, in der Nichtraucher eine unterdrückte Minderheit darstellen, die nur an ausgewählten Orten ihrem Laster nachgehen darf. Da stimmt doch etwas nicht.

In New York ist das Nichtrauchen nicht nur ein Massensport, sondern auch fast überall strengstens vorgeschrieben.

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Sendepause

Wednesday, 6. July 2011 18:32

Einfach mal die Fresse halten soll man, wenn man von etwas keine Ahnung hat. Aber gerade weil ich so viele Sachen nicht verstehe, schreibe ich über New York. Trotzdem übe ich jetzt mal Schweigen. Ob es das bringt?

Noch in diesem Monat kann man es hier wieder nachprüfen. Bis dann!

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Moment mal: Krötenwanderung

Wednesday, 29. June 2011 23:30

Ich habe heute leider keine Schildkröten für euch. Am Wochenende wollte ich eigentlich in das Insel-und-Marschland-Labyrinth der Jamaica Bay in Queens, aber ich fand keinen Weg, um genau da hinzukommen, wo es mich hinzog, und  ich entschloss mich dagegen, es einfach da in der Nähe zu versuchen. Sonst hätte ich jetzt vielleicht ein passendes Foto.

Ich wollte die Schildkröten besuchen. Deren Paarungszeit fängt jetzt an, dann sind die – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – ganz schön aktiv. Und behindern damit manchmal den Verkehr. Diese besondere Art der Krötenwanderung ist heute in den Nachrichten gelandet (am Wochenende gab es zwar auch schon dasselbe Problem, aber ich glaube, das hatte kein Konzern getweetet, dem News-Reporter folgen).

Die Schildkröten-Wanderroute führt nämlich durch den John F. Kennedy-Flughafen – und da musste heute früh schon wieder eine ganze Horde von weit über hundert Schildkröten von der Landebahn geklaubt werden. Sehr lustig, die Kommunikation zwischen Pilot und Tower, die ein Nachrichtensender begeistert abspielt. Ich frage mich, ob Schildkröten wohl auch durch Tunnel kriechen würden. Die Forderung nach Krötentunneln auf dem Flughafen würde doch eine hübsche Grundlage für eine Bürgerinitiative abgeben. Vielleicht käme sie sogar in die Nachrichten.

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