Beiträge vom April, 2010

Pausensnack

Wednesday, 28. April 2010 23:07

Die Crew kriegt was zu essen. Allerdings nicht in der Spring Lounge, die rundherum abgedunkelt ist, sondern davor.

Neben all dem Equipment stehen auch zwei Cateringstationen, und im Moment haben viele Helfer Zeit, sich dort zu bedienen. Andere, die nicht direkt zum Personal gehören, müssen rennen, einem Tipp nachjagen, und kehren dann wieder zu dieser Straßenecke zurück. Sehnsüchtig guckt ein Jung-Paparazzo zum Catering rüber.

Ein erfahrener Kollege sitzt derweil auf dem Spielplatz gegenüber und schaufelt chinesisches Essen in sich hinein. “Hey, that’s trespassing!”, sagt ein Passant, und beide lachen. Der Mann macht ja nur Pause. Auf der Speicherkarte hat er vermutlich eh längst Bilder von Kate Hudson und Ginnifer Goodwin, die hier gerade “Something Borrowed” drehen. Die Ausbeute steht dann rasch online und etwas später in Printmagazinen der Art, für die schon die Auswahl der Kleidung eine Nachricht hergibt.

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Betriebsgeheimnis

Tuesday, 27. April 2010 22:48

Amerikanisches Brot ist nicht weltberühmt. Aber Amy’s Bread ist in New York recht bekannt. Es wird schließlich nicht am Fließband gebacken.

Die Brote liegen hier in allen Zustandsformen: Unter Folie macht sich die Hefe breit, an der Luft kühlen Laibe ab. Um das zu sehen, bedarf es keiner Recherche mit Akkreditierung und Schutzhäubchen. Ich gehe an einer Glasscheibe vorbei wie viele andere Leute auch. Im Chelsea Market gehört es an dieser Stelle zum Konzept, die Besucher sehen zu lassen, wie Produkte hergestellt werden.

Die Backmischung kriegt man zwar nicht zu sehen, aber Firmengründerin Amy Scherber hat vor einer ganzen Weile ein Buch geschrieben, in dem sich Brotrezepte finden. Doch wie in einem anderen Laden weiter vorn Richtung Eighth Avenue die Torten gemacht werden, bleibt ein Geheimnis. Das ist vielleicht auch besser so.

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l’art pour l’art

Saturday, 24. April 2010 22:54

Meine Nummer ist 20.

Ich bin auf einer stillen Auktion. In der Fresh Factory Gallery in Bushwick zieht Streetart ordentlich Publikum an. Da muss ich schon sehr nah an die Arbeiten heranrücken, wenn ich etwas sehen will.

Soeben erschien das Buch “Street Art New York“, das ist hier nicht nur ein Grund zum Feiern (mit gelbgewandeten DJs), sondern auch für eine Benefizaktion zugunsten von Free Arts NYC. Damit die Kinder später auch mal Kunst kaufen. Mich bring Ellis G in Versuchung, meine Nummer auf den Zettel zu kritzeln. Als ich gehe, hat er noch keine Gebote.

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Bitte lächeln!

Friday, 23. April 2010 22:40

Natürlich kann man sich auch ein graviertes Messingschild neben die Tür schrauben lassen.

Ärzte sind auch in New York recht angesehen. Aber ihre Techniken, um Patienten auf sich aufmerksam zu machen, haben eine andere Bandbreite als in Deutschland. Wie man zum Beispiel in Spanish Harlem sehen kann:

Hier kann man sich eine Zahnspange verpassen lassen. Ganz in der Nähe ist eine Schule.

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Sex & the Ziti

Tuesday, 20. April 2010 22:38

Sie heißt Ziti. Ich kenne sie schon länger, aber erst seit heute weiß ich ihren Namen. Ziti. Das ist italienisch. Oder so. Und ich gebe zu: Ich mag sie. Auch wenn das mit uns wohl keine feste Beziehung wird.

Was nun Sex angeht: Heute freuen sich die Zeitungen darüber, dass New York in einem Ranking von askmen.com auf Platz 1 gelandet ist. Die Stadt, in der ich lebe, ist offiziell der beste Ort auf der ganzen Welt. Für junge Single-Männer.

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Männer, die auf Wolken starren

Monday, 19. April 2010 16:57

Jetzt bekommen sie Presse. Dabei sind sie schon seit Ende März da. Nur ein paar von ihnen sind auf dem Boden geblieben.

Viele von den anderen stehen auf Terrassen und Dächern. Bis zum 15. August sollen sie da bleiben. Es sind Skulpturen von Anthony Gormley – im doppelten Sinne: Der britische Künstler hat sich nicht nur das Konzept ausgedacht, sondern die 31 nackten Männer gleich noch nach seinem Ebenbild entworfen.

Presse bekommen sie im Moment vor allem deshalb, weil angeblich Anrufe bei der Polizei eingehen, da stünde ein Selbstmörder auf dem Empire State Building. Im Boulevard wird das so aufgebauscht, dass der Bürgermeister verlauten lässt, man solle doch bitte die Kunst genießen.

Ich habe nichts gegen nackte Gusseisenmänner. Oder gegen die aus Glasfasern, die auf den Dächern stehen. Auch wenn man sich rund um den Madison Square Park ganz schön beobachtet vorkommt.

Vielleicht sollte man Münzfernrohre installieren. Die Wasserspeier auf dem Flatiron Building sahen von unten auch vorher schon aus wie Selbstmordkinder (das darf man gar nicht denken!). Jetzt passt der Fiberglasmann auf sie auf.

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Ohne Asche

Friday, 16. April 2010 22:50

Selbst hier ist die Aschenwolke auf den Titelseiten. Ein Kollege fragt sich, ob er am Sonntag wieder nach Hause nach Deutschland kommt. Eine Pressefrau macht sich Sorgen, weil für morgen ein Termin mit lauter Franzosen angesetzt ist, und sie hat keine Ahnung, ob die eingeflogen werden können.

Ich denke mir, gut, dass ich diese Sorgen nicht habe. Ich muss ja nur mit Handgepäck (zwei Interviews wiegen nicht viel) von Los Angeles nach New York zurückfliegen, und hier fliegt keine Asche herum. Trotzdem ist am Flughafen die Hölle los. Als ich mit dem Taxi ankomme, denke ich noch: Wow, die wollen bestimmt alle nach Nordeuropa, die Armen. Ich zieh mir erst mal mein elektronisches Ticket, und dann sehe ich es: Die Schlange, die ich draußen am Gebäude entlang gesehen habe, gehört zum Sicherheitscheck.

Als ich von draußen wieder ins Gebäude des Terminal 5 vorgedrungen bin, frage ich eine der Sicherheitsbeamtinnen, was denn los sei. Ein Mann schaltet sich ein: “Spring Break (die Frühlingsferien, bei denen Studenten hierzulande gern einen draufmachen) ist doch vorbei?!” Die Beamtin zuckt die Achseln. “Das geht schon die ganze Woche so”, sagt sie. “Gestern standen sie bis Terminal 7.”

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Planänderung

Tuesday, 13. April 2010 19:31

Am Anfang war es sein Ernst. Josh malte sich ein Schild und versuchte es einfach mal. Schließlich laufen in New York viele Leute mit Schildern herum. Davon gibt es zwei Kategorien: Die einen werben für Firmen, auf den Schildern ist zu lesen, wo es Anzüge, Tickets oder tolle Telefone gibt. Die anderen werben um Mitgefühl. Daran knüpft Josh an:

(“Hilfe! Ich brauche Geld für Gras”)

Am Anfang war das ganz ehrlich gemeint. Als er dann aber ein paar hundert Dollar in der Tasche hatte, dachte er sich: Moment mal, damit lassen sich ja richtig Rechnungen bezahlen! Als ich ihn treffe, belegt er Kurse, an deren Ende er eine Lizenz als Immobilienmakler erwerben wird. Bisher hat das Schild seine komplette Ausbildung finanziert. Er weiß, wo er damit herumlaufen muss, um das Geld zusammenzubekommen. Der Times Square mit all den Touristen ist eine seiner, nun ja: Anlaufstellen. Aber auch im Norden von Manhattan füllen sich seine Hosentaschen. Eben erst hat ihm ein lachender Mann zwanzig Dollar in die Hand gedrückt. Es ist wiederum Josh, der lacht, als ich ihn frage, ob ihm das Schild nicht zu schwer wird und ich es mal halten soll.

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Praktikantisch

Monday, 12. April 2010 17:05

Das ist natürlich alles nur Hörensagen. Und ich muss ein wenig für die Geschichte ausholen:

Rob hat sie mir gestern erzählt. In den zwei Jahren, die ich ihn kenne (und auch schon Jahre davor) arbeitet er als Chauffeur. Die wirklich wohlhabenden New Yorker haben meist einen Privatchauffeur – aus Sicherheitsgründen bleiben sie gern bei demselben Fahrer. Den Namen seines Chefs hat Rob mir entsprechend auch nie gesagt. Ich weiß nur, dass er in der Finanzbranche arbeitet und seine Gattin bei einer namhaften Galerie.

Nun die Geschichte: Der Sohn von Robs Chef macht gerade seinen Abschluss in Princeton, der junge Mann kann glänzende Noten vorweisen, ebenso wie viel Auslandserfahrung. Ich frage Rob, ob er denn schon einen Job hat. Tja. Er ist bei einem großen Verlag untergekommen – für ein bezahltes Praktikum. Dass er überhaupt Geld dafür bekommt, ist mehr oder weniger ein Gefallen des Verlagsmoguls, weil der mit Robs Chef befreundet ist. Davon mal abgesehen, hat der Eliteuni-Absolvent das Praktikum nicht zugeschustert bekommen, sondern musste mehrere Interviews durchlaufen. Trotzdem hat er Glück gehabt. Diejenigen, die letztes Jahr ihren Abschluss machten, als die Wirtschaftskrise vielen hier noch viel bedrohlicher erschien, haben oft genug nicht mal einen Praktikantenplatz erwischt. Auch nicht mit der Hilfe einflussreicher Eltern. Sieht so aus, als wäre aus dem Haifischbecken ein Fish Tank geworden.

Der andere, jüngere Sohn hat derweil für dieses Jahr einen Sommerjob klargemacht, bei dem er – im Verhältnis gesehen – mehr als doppelt so viel verdienen wird wie sein Bruder.

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Ach du Schande!

Saturday, 10. April 2010 22:07

Im Supermarkt hängen drei Fotos an der Scheibe, so dass man sie direkt sieht, wenn man den Laden betritt.  Die Bilder zeigen Ladendiebe in Aktion, mal in diesem, mal in jenem Gang dieses Supermarkts. Sie stammen aus Sicherheitskameras, sind entsprechend etwas unscharf, aber ich denke, man kann die Diebe durchaus wiedererkennen. Und über jedem einzelnen steht: “Shame on you!”

Es gibt keine Privatsphäre für Leute, die auch nur im Verdacht stehen, etwas Illegales getan zu haben. Die New York Post (wichtigste Boulevardzeitung hier) unterhält eine Rubrik namens “NYPD Daily Blotter“. Darin ist nach Stadtteilen aufgelistet, was an Verbrechen passierte (zumindest jene, die dem Redakteur interessant erscheinen) – inklusive der vollen Namen der Verhafteten oder Verdächtigen.

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Mit oder ohne Telefon

Tuesday, 6. April 2010 17:23

Das iPad ist da. Ein paar Leute haben sich tatsächlich schon Freitag Nacht einen Platz vor dem Apple Store gesichert. Aber jetzt, wo die Zahlen raus sind – ca. 300.000 am ersten Tag verkauft – kommen auch die Unkenrufe. Gemessen am monatelangen Hype sei das doch ein Fliegenschiss. Prompt tauchen Werbeplakate auf. Lustigerweise sehe ich mehrere an Telefonzellen. Telefonieren kann man mit dem iPad ja nun mal nicht.

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