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Nicht schon wieder Crack!

Thursday, 2. February 2012 17:39

Manche Bezeichnungen sind gleichzeitig korrekt und irreführend. Sozusagen das alte “Teekesselchen”-Spiel im Extrem. Das fiel mir besonders auf, nachdem ich über den New Yorker Crack Pie geschrieben hatte – seitdem lieben Suchmaschinen mich, wenn jemand nach Crack-Rezepturen sucht. Dabei hat das eine mit Konditoreikunst und das andere mit Drogensucht zu tun, und es gibt keine Schnittstelle. Daran hatte ich gar nicht gedacht.

Deshalb kann ich es mir keinesfall erlauben, sarkastische Gedanken zu verfolgen, als ich sehe, wie missverständlich ein Öko-trifft-Feinkost-Laden seine Ware auszeichnet:

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Gerührt, nicht geschüttelt

Wednesday, 18. January 2012 12:49

Abgegriffen. Ausgelutscht. Mir fallen nur Worte ein, die in diesem Zusammenhang missverständlich ausfallen. Deshalb schreibe ich es lieber so: Die Aussicht auf ein Egg Sandwich entlockt wohl keinem New Yorker ein freudig erstauntes “Oh, das klingt gut, was ist das denn?”. Eier zwischen Brotscheiben oder dem, was der Amerikaner unter Brötchen versteht, gibt es in jedem Eckladen, schnell eingeschlagen zum Mitnehmen, und draußen bullert der Automotor.

Trotzdem kann so ein Egg Sandwich lecker sein. Es kann sogar auch so aussehen. Ich habe zugeschaut, wie der junge Mann das Ei gerührt hat, aber ich komme trotzdem nicht dahinter, wie er das so hingekriegt hat. Das Brötchen dazu ist so ein “artisanal”-Schnickschnack, übertrieben auf hausgemacht getrimmt – und köstlich. So. Will jetzt wirklich noch einer fragen, was das denn ist?

Also gut: Teuer ist das.

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Knusper, knusper, knäuschen …

Sunday, 18. December 2011 18:04

Mir ist der Lebkuchen ausgegangen. Aber in Deutschland habe ich um diese Zeit ja auch keinen mehr bekommen, so kurz vor Weihnachten bestellen die Läden so etwas wohl nicht mehr. Hier ist Lebkuchen, so wie wir ihn kennen, nicht so beliebt. Das steigert meine Chancen, noch welchen zu finden, und tatsächlich hat ein Supermarkt in der Nähe Tüten eines deutschen Herstellers, allerdings nicht meine Lieblingssorte. Schon gar nicht mehr, nachdem ich das hier gesehen habe:

Ja, das ist echt und essbar. Wie alle Gingerbread Houses in dieser alljährlichen Ausstellung. Zur Gingerbread Extravaganza tragen so einige Konditoreien der Stadt ein, ist ja gute Werbung. Und die Besucher dürfen abstimmen, wer das schönste Häuslein im Weihnachtsland gebaut hat – dazu allerdings müssen sie einen Dollar abdrücken, der an die Wohlfahrt geht.

Bei einem dieser Wettbewerbsbeiträge frage ich mich aber: Ist das nun Würdigung oder Spott?

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Hackebeil in Chinatown

Saturday, 10. December 2011 12:16

Ha! Allein essen mag ja ungesund sein, aber jetzt frohlocke ich, dass ich allein zum Mittagessen gegangen bin. “Wieviele Personen?”, fragt der schwer beschäftigte junge Mann am Eingang. “Nur ich”, sage ich, und die anderen Leute gucken mich – wie so oft – so komisch an. “Wollen Sie sich an den Tresen setzen?”, fragt der Mann daraufhin, und die anderen Leute gucken daraufhin doof aus der Wäsche. Ihnen hat der Mann nämlich eben gesagt, sie müssten eine Dreiviertelstunde auf einen Tisch warten. Und das sollen sie bitte draußen tun.

In dieser Ecke von Chinatown wollte man früher ganz bestimmt nicht draußen herumstehen. Die Kurve in der Doyers Street war Anfang des 20. Jahrhunderts bei chinesischen Gangs sehr beliebt – so sehr, dass es heißt, an keiner amerikanischen Straßenkreuzung hätte es mehr Morde gegeben. So eine Kurve eignet sich eben hervorragend für Schießereien. Diese Gangs hatten aber auch sehr oft Äxte zur Hand. Damit sollen sie den Begriff “hatchet man” (wörtlich: Axtmann – für Auftragskiller) geprägt haben.

Für einen Moment wünsche ich mir hier auch ein Hackebeilchen. Das kommt davon, wenn man sich in einem der besten Dim Sum-Restaurants der Stadt davon beeindrucken lässt, am Tresen zwischen Stammgästen zu sitzen. Ich lasse mir also keine Karte geben, sondern kreuze einfach lustig was auf dem Zettel an. Schließlich ist Dim Sum so was wie die chinesische Version dessen, was in Spanien Tapas heißt: Man bestellt sich hier was, da was, und bedient sich dann aus Dämpftöpfchen und von Tellerchen, die (meistens) auf verschiedene Weise in Teig geschlagene Überraschungen mit sich bringen.

Das klappt super. Nur mit meinen Rolls habe ich zu kämpfen, weil ich so artig zugehört habe, als Oma mir die Sache mit den kleinen Bissen beigebracht hat, und deshalb die Dinger partout zerteilen will, zäher Teig hin oder her. Ich bin fast soweit, mir eine Axt oder wenigstens eine Gabel reichen zu lassen. Das Stäbchenmassaker auf meinem Teller fällt am Ende aber niemandem auf.

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Weihnachtsduft

Sunday, 4. December 2011 15:21

Es hört sich mehr nach Applaus oder vielleicht nach Silvesterfeuerwerk an als nach Weihnachten:

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Aber das Geräusch – und der Geruch – kommt live vom Weihnachtsmarkt im Bryant Park (ich hatte doch Weihnachtsthemen an den Adventsonntagen versprochen). Am Union Square haben sie grün-weiß-gestreifte Stände, und hier sind die Buden grüne Glashäuser, rund um die Schlittschuhbahn aufgestellt und meist mit Kunsthandwerk gefüllt. In einer gibt es ein amerikanisches Klischee, Popcorn nämlich, aber mit Hausmacher-Touch:

Bevor der junge Mann die neue Ladung aus seinem Kessel in die Kiste schütten kann, muss er die Zutaten zusammenfügen, rühren und im rechten Moment den Schutzhelm aufsetzen.

An den meisten anderen Ständen aber geht es ruhig und ungefährlich zu. Sogar die halsbrecherischen Taxis kann man hier anhalten, wann immer man möchte – und zum Fest in der Botanik parken.

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Crack Pie

Wednesday, 23. November 2011 14:02

Ich weiß nicht mehr, ob ich weiterhin behaupten soll, ich sei schokoladensüchtig. In New York kann man das falsch verstehen. Schließlich wurde in einem Ableger eines hiesigen hippen Restaurantimperiums das hier erfunden:

Das ist Crack Pie. “Da sind keine Drogen drin”, sagt der Mann hinter dem Tisch ständig. Dabei kommt dieser hier nicht mal aus der besagten Momofuku Milk Bar, sondern ist hausgemacht. Ich bin versucht, ihn zu versuchen. Aber dann sehe ich etwas, dem ich nicht widerstehen will, und danach bin ich so pappsatt, dass kein Ritzchen Platz mehr ist für Crack Pie.

Fürs Protokoll: Diese herrlichen Backwaren habe ich nicht heute gegessen. Heute gießt es, es ist kalt, ich habe nasse Haare und will keine Erkältung riskieren und gehe deshalb nicht raus, obwohl ich Appetit auf Kuchen habe. Stattdessen esse ich Müsli (jawohl, Schweizer Müsli, nicht diese bunten Cereals!) und komme mir vor wie im Methadonprogramm, dabei diese Fotos anzuschauen.

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Die Jerusalem-Odessa-Connection

Saturday, 5. November 2011 16:26

Ich lande hier immer in demselben Laden. Dabei gibt es in meiner Fantasie hier irgendwo ein Café, in dem betagte, beringte Damen Torte essen, Tee aus dem Samowar schlürfen und zwischendurch einen Wodka kippen. Nur finde ich ihn nicht. Also gehe ich mal wieder in den Feinkostladen, in dessen oberer Etage die Torten auf mich warten und ein paar Tische stehen. Da sitze ich, trinke starken russischen Tee und esse italienischen Kuchen dazu und verfolge auf dem Fernseher einen Technicolor-Film mit zickigen Damen und einem lustigen Musikanten, den ich auch ohne Sprachkenntnisse verstehe.

Die anderen Tische füllen sich derweil. Da kommt noch ein älteres Paar. Er fragt mich, ob sie sich zu mir setzen dürften, ich sage: Na klar, aber dann brauchen Sie noch einen Stuhl. Darum kümmert er sich selbst, während sie schon am Tresen bestellt. Sie haben sich noch nicht hingesetzt, da ist mir schon klar: Das sind furchtbar nette Menschen. Sie machen mir als erstes klar, dass ich in ihren Augen ganz, ganz jung bin und dass es da keine Widerrede gibt. Sie kommen aus Israel, sagen sie, und schwärmen mir von Jerusalem vor. Ich entblöde mich, sie zu fragen, ob sie dort geboren und aufgewachsen sind – und in dem Moment fällt mir ein: Sie sind sicherlich älter als Israel. Sie übergehen das aber freundlich.

“Ich bin Asiatin”, sagt sie, und ich schaue irritiert auf ihr kurzes, gelocktes, rotes Haar und die blassen Sommersprossen. “Ich komme aus Kasachstan”, fügt sie hinzu. Eine Erdkundestunde bekomme ich also gleich noch dazu. Er kommt aus der Ukraine. Aber sie mögen russisches Essen.

Sie haben so lange in Israel gelebt … Ach, und Jerusalem. Ich bräuchte in Israel nirgendwo anders hinzureisen als nach Jerusalem. Ich erzähle ihnen, dass ich noch nie in Israel war, dass mir Bekannte aber schon öfter von Tel Aviv vorgeschwärmt haben.

“Ach, Tel Aviv”, winkt er ab. “Das ist wie jede andere Großstadt auch, da finden Sie nichts Besonderes.” Ich frage, was denn an Jerusalem so anders sei. Das Gefühl, sagen sie, schwer zu erklären. “Die Geschichte, die alten Häuser?”, frage ich. Aber das trifft es nicht, es sei die ganze Atmosphäre – “aber nicht einmal in religiöser Hinsicht”, sagt sie gleich dazu. Und das Licht. Das Licht sei einfach anders als sonstwo, einzigartig. Ganz klar, weil Jerusalem weit oben liegt, und dann seien ja auch die Häuser alle aus rosa Stein gebaut, etwas anderes gibt es da eben kaum, und das mache das Licht erst recht besonders.

Schließlich gibt mir der alte Herr seine Reiseweisheit mit auf den Weg. Als Physiker hat er die ganze Welt bereist. Wenn ich ihm irgendeinen Ort sagte, kenne er den vermutlich. Und sein Rat? “Vergessen Sie Tourismus”, sagt er. Besonders in New York. “Nach Paris wegen der Museen? Bleiben Sie in Manhattan, da haben Sie alles, was Sie sehen wollen. Nach Paris wegen der Boutiquen? Bleiben Sie in Manhattan. Das finden Sie heutzutage dort alles. Wenn Sie ein Künstler sind und unter fremde Menschen wollen und Sie das wirklich interessiert, dann reisen Sie nach Paris.”

Die beiden leben in Long Island, ihre Kinder und Enkelkinder wohnen in Brooklyn Heights. Sie haben eingekauft hier in Brighton Beach, das auch unter dem Namen “Little Odessa” bekannt ist. Es gibt ja alles hier, und so günstig. “Das hält wahrscheinlich für einen Monat vor”, sagt er mit einem Blick auf die Tüten, auf denen russische Schriftzeichen stehen. Sie schaut skeptisch. Nachdem wir einander ein schönes Wochenende gewünscht haben, mache ich mich auf den Weg. Ich bin in Versuchung, kleine Teigtaschen zu kaufen, aber ich finde nicht heraus, womit sie gefüllt sind. Am Ende kaufe ich Nutella – zwei Gläser für 5 Dollar sind ein Argument. Ich glaube, es stammt aus Polen. Dort versteht man, was ich seit Jahren predige: Haselnusscreme gehört nicht in den Kühlschrank.

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Ernte in Bestform

Monday, 17. October 2011 16:15

Heute suche ich mir gar keine mysteriösen Gemüse aus. Diese Jahreszeit bringt schon diejenigen in Bestform, die ich gut kenne. Die einen machen sofort einen auf Babylon: Hier heißen sie Eggplant, und da passt die neue Farbe. Die Zweitform, na ja, nicht so ganz. Aber Aubergine? Deutsch-Französisch macht das Ganze unverständlich. Von der gleichnamigen Farbe keine Spur:

Sie läuten das Ende der reichen Spätsommererntezeit ein. Gleichzeitig kommen auf den Markt am Union Square schon all die Kürbisse, die es zum großen Teil in Europa auch gibt, die hier aber so viel leichter zu bekommen sind. Und zur Feier der Saison wachsen sie in aberwitzigen Formen. Na, meine Messer sind ja scharf genug.

Thema: Essen, Grünzeug, High Tea | Comments Off | Autor:

Nachos für Models

Wednesday, 5. October 2011 12:33

Ich weiß nicht, ob es hier so sauber ist, dass man vom Boden essen kann. Könnte sein, macht einen sauberen Eindruck. Aber eigentlich macht man so was ja nicht. Da liegen tütenweise Nachos, und trotzdem hat hier keine Party stattgefunden, zumindest keine solche wie damals auf der East Side. Die Mais-Chips liegen eher so, wie sich ein Mensch mit Ordnungszwang Unordnung vorstellt: Nachos in zwei Farben, die nicht an einer scharfen, geraden Kante, sondern in einem Bogen zusammenfinden, und an der Seite liegen ein paar in der falschen Farbe etwas abgeschlagen herum. Schuld daran ist Brendan Lynch.

Der Künstler hat sich das ausgedacht und stellt es in den Ford Projects aus. Die Räumlichkeiten auf zwei Stockwerken sind Paradebeispiele für Orte, die meine amerikanischen Freunde zum schönen Begriff “apartment envy” inspiriert haben. Darin stellt nicht der Autokonzern, sondern die Modelagentur Ford Kunst aus. Ich weiß nicht, ob da nun Schönheit zu Schönheit kommen soll oder Anspruch zu … aber das ist ja nur ein Vorurteil. Fakt ist: Ob man nun eine Essstörung hat oder nicht, ein Band hält einen von den Chips fern. Ist auch besser so. Sie kosten 2500 Dollar.

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Wenn Äpfel die Limetten ablösen

Friday, 23. September 2011 17:24

Dieses Jahr scheint das New Yorker Wetter sich am Kalender zu orientieren: Zum Ende der Sommersaison, am Labor Day, schüttete es nach herrlichen Tagen plötzlich wie aus Eimern. Und jetzt, am offiziellen Herbstanfang – dasselbe. Da bin ich ja mal gespannt, wie weiß Weihnachten wird.

Aber erst einmal lasse ich für einen Moment Revue passieren, wie herrlich mein Lieblings-Sommer-Kuchen (der übrigens auch bei minus 20 Grad Außentemperatur hervorragend schmeckt) sich in der Sonne macht: Key Lime Pie! Am besten als Einzelstück, also auf einen etwas mehr als handtellergroßen Krümelboden hingegossene Limettencreme.

Key Lime Pie gibt es auch als Swingle: Da ist das Törtchen von Schokolade umhüllt und wird praktischerweise am Stiel serviert, was ja in Sachen Schokoladenschmelze mit zunehmener Jahrszeit immer wichtiger wird. Er ist aber vorzugsweise gleich am ersten richtig warmen Tag des Jahres zu essen.

Und dann, wenn es so richtig heiß geworden ist, wird es Zeit für eine gekühlte Variante. Ein Frozen Yogurt Key Lime Pie Sundae sieht nicht nur zum Anbeißen aus. Er schmeckt auch so, dass es eine Schande wäre, ihn schmelzen zu lassen. Ich habe jedenfalls mehrere Versuche gemacht, aber ich bin einfach nicht fähig, ihn langsam zu essen.

Und ab heute ist Herbst. Da schmeckt das alles immer noch. Aber auch wenn es Limetten hier das ganze Jahr über zu kaufen gibt: Viele New Yorker machen sich jetzt bereit für die Traditionen, die die Apfelernte mit sich bringt.

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Currywurst

Tuesday, 13. September 2011 19:17

Mit der Currywurst ist es ja auch nicht anders als mit dem Hot Dog: Die Gelehrten – und auch die Gefräßigen – streiten, wo das Wurstgericht seinen Ursprung hat. Dieser Laden nimmt in Anspruch, das Berliner Original zu führen. Das werden die Bewohner des Ruhrgebiets nicht gern hören. Aber hier ist das Rezept ja ohnehin verwässert. Nicht nur, dass die Combo New York Stampfkartoffeln als Currysoßenschranke einsetzt (zur Berlin Combo gibt es Fritten); es gibt auch verschiedene Arten Fleisch zur Auswahl. Von Hähnchendöner habe ich schon mal gehört. Aber gab es bereits Hühnercurrywurst?

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