Tag-Archiv für » Kaufrausch «

Spurenleser

Thursday, 15. December 2011 13:24

Viele Leute denken, Manhattan wurde an seinem südlichen Ende verkauft. Da kommt man schließlich an, wenn man vom Meer her rüberschippert, und da unten stand später der Wall, nach dem heute noch die Straße benannt ist, auf der die Aktienhändler heiße Luft verkaufen. Aber niemand hat da unten Manhattan verkauft. Das war am anderen Ende, hoch oben im Norden, im heutigen Inwood. Zur Erinnerung an Peter Minuits Geschäft mit den Reckgewawanc liegt da heutzutage ein Stein herum:

An der Stelle soll außerdem 280 Jahre lang ein Tulpenbaum gestanden haben. Fast genau so lange hat es gedauert, bis der Gedenkstein herkam (nämlich zum 300-jährigen Jubiläum der Stadt New York). Noch etwas Seltenes gibt es hier in der Gegend: Eine Straße, die nicht Street, Avenue oder Boulevard heißt, sondern Road. Und ja, ganz recht: Das hier ist Manhattan.

Thema: Geschichte, High Noon | Comments Off | Autor:

Gaga Advent

Sunday, 27. November 2011 17:44

Ha, erster Advent! Damit niemand hinterher sagen kann, Weihnachten sei wieder so plötzlich gekommen, werde ich an jedem Adventssonntag etwas Passendes in den Blog stellen. Tja, und was macht man in der Vorweihnachtszeit in New York? Einkaufen natürlich. Die großen Kaufhäuser dekorieren ihre Schaufenster so, dass Modeblogs in aller Welt Purzelbäume machen. Und Barneys setzt dem Zirkus dieses Jahr noch einen drauf.

Als Mike Lee im September 2010 auf dem CEO-Sitz bei Barneys Platz nahm, schrieb er sofort einen Brief an das Management von Lady Gaga. Er wollte von vornherein, dass das Modekaufhaus mit dem Monsterstar zusammenarbeitet. Unter anderem sieht man deshalb jetzt eben ein Gagamobil im Schaufenster. Und, passend zu anderen Teilen der Gaga-Abteilung, auch ein maritimes Motiv:

Das macht mich stutzig. So etwas Ähnliches zeigt auch das konservativere Haus Bergdorf Goodman. Dort spielen Monster keine Rolle, aber es steht ein Karneval der Tiere in den Schaufenstern.

Und wenn ihr alle schön brav seid, zeige ich bald vielleicht noch ein paar Schaufenster.

Thema: High Tea, Kaufen | Comments Off | Autor:

Macht’s gut, und vielen Dank für den Lebkuchen

Thursday, 24. November 2011 13:31

Einen Grund zur Beschwerde kann man überall finden. Es gibt so viele Leute, die richtig gut darin sind. Das Wetter gibt eigentlich immer etwas her, und wenn das nicht taugt, nimmt man eben jahreszeitliche Besonderheiten. In Deutschland habe ich den Kopf geschüttelt über meine lieben Mitmenschen, wenn sie sich mal wieder darüber beschwerten, dass der Weihnachtskram schon in den Läden steht, kaum dass der Sommer dem Ende zugeht. Mir macht es eben nichts, wenn ich meine geliebten Lebkuchen bei 19 Grad (oder was bei euch so als Sommer durchgeht) nach Hause trage.

In New York ist das mit den Lebkuchen zwar nicht unmöglich, aber schwieriger. Dafür gestaltet sich die Feiertagsfrage einfacher: Erst Thanksgiving, dann Weihnachten (oder Hanukkah oder Kwanzaa). Vor Thanksgiving darf man also nach Herzenslust über Weihnachtsdekoration schimpfen, aber dann muss man den Schalter umlegen und Santa mit Wünschen auf die Nerven gehen.

Heute ist Thanksgiving, morgen fängt mit dem Black Friday die offizielle Weihnachts-Einkaufs-Saison an, aber die folgenden Dinge habe ich bereits vor Wochen fotografiert. Na, nun beschwert euch schon.

Thema: High Noon, Kaufen | Comments Off | Autor:

Sonderangebot

Friday, 21. October 2011 13:18

Na toll, denke ich, jetzt haben sie mich. New Yorker sind verrückt nach Sonderangeboten, und darüber kann man sich lustig machen, solange es geht – irgendwann macht man mit. Ich jedenfalls ertappe mich immer öfter dabei, wie ich Anzeigen studiere. Ich schneide auch Coupons aus. Das kommt davon, in einer teuren Stadt zu leben. Und so kommt es, dass ich vor ein paar Wochen noch spöttisch gelacht habe, als mir einer weismachen wollte, da mache ein neuer japanischer Klamottenladen auf, dabei gibt es den schon seit bestimmt sechs Jahren, nur jetzt macht er eben fast gleichzeitig zwei weitere Riesenläden auf, und überall ist die Werbung, in der Zeitung, auf Plakaten, überall.

Und diesmal beuge ich mich der Übermacht eben. Ich stelle mich in der Schlange an, die sich eine Stunde nach der Eröffnung immer noch fast den ganzen Block entlang zieht. (Update: Ich habe es am Folgetag noch mal getestet, definitiv besser mit Kundenmassenbegrenzung!).

Nein, den Namen des Ladens sieht man auf dem Foto nicht. So weit kommt das noch, dass ich hier Werbung mache. Aber ich habe jetzt zwei neue Hosen für je 10 Dollar. Plus je fünf Dollar zum Kürzen. Plus schlechtes Gewissen – wie produziert man so was wohl? Ich bin gespannt, ob die mir nach dem Waschen auch noch passen.

Thema: High Noon, typisch New York | Comments Off | Autor:

Containerdorf

Wednesday, 21. September 2011 13:34

New York ist voller Baustellen. Die sind nicht einfach nur ein Attribut der Stadt. Manche von ihnen sind auch diese eine Folge von Gentrifizierung, über die fast niemand spricht. In Brooklyn sieht man das besonders gut. Da gibt es Ecken, deren Bevölkerungsdichte in den letzten zehn Jahren so stark zugenommen hat, dass es Probleme mit dem öffentlichen Verkehrssystem gibt: überlastet. Und dann ist zwar das eine und das andere Hochhaus voller Eigentumswohnungen fertig, aber es gibt trotzdem noch – Baustellen. Oder Plätze, auf denen das Unkraut in die Höhe schießt, weil die Bauherren Muffensausen bekommen haben.

Und mit Glück gibt es dann findige Köpfe, die das Wort “übergangsweise” so richtig auf Ideen bringt. So wie beim Dekalb Market. Seit ein paar Wochen gastiert er auf einem Platz in Downtown Brooklyn, vielleicht bleibt er ein paar Jahre. Erst einmal bis Dezember, dann wird es bis März zu kalt. Schließlich sind die Läden hier alle aus Stahl.

Schiffscontainer kosten so viel nun auch wieder nicht, sie lassen sich gut transportieren, und es braucht nur dieses Fitzelchen Vorstellungskraft, um Teile herauszuschneiden und dort Türen und Fenster einzubauen. Fertig ist der Laden. Bei einigen auch gleichzeitig ein Stück Werkstatt. Und: Küche.

Und wenn man sich dann an einem der Tische niederlässt, die zwischen den Containern mit dem ganzen leckeren Essen stehen, kann man die Musik mehr als Stereo hören. Sofern man seinen Computer mitgebracht hat, was die Leute hier natürlich ganz gern tun. Es gibt auf dem Dekalb Market nämlich nicht nur einen Plattenladen, sondern auch einen Internet-Radiosender. Der überträgt seine Shows gleich live auf diesen Platz.

Thema: Geld ausgeben, High Noon | Comments Off | Autor:

Weltreise

Saturday, 20. August 2011 16:35

New York ist teuer, da bleibt oft nichts für Urlaub übrig. Aber dafür bieten sich innerhalb der Stadtgrenzen zig Chancen, auf Reisen zu gehen. Und heute meine ich mal nicht die kulinarischen Streifzüge, für die New York zu berühmt ist (zu Recht!). Manchmal, wenn mir nach interkulturellen Erfahrungen ist, gehe ich zum Kiosk. Also nicht nur Bude an der Ecke. Sondern zu einem Laden im zweiten Stock (dt. ersten Stock) eines unauffälligen Hauses in Soho, wo man sich schon mal an einem Koch mit Kiste vorbeischlängeln muss, um in den Laden zu kommen.

Die Besitzer von Kiosk reisen gern. Unterwegs entdecken sie hübsche Dinge, und die bringen sie dann in ihren Laden – inklusive einer kleinen Geschichte. Heute entdecke ich zum Beispiel einen Kartoffelschäler aus Deutschland, spiele mit dem Gedanke, mir eine chinesische rote Lampe zu kaufen oder Glasarmreifen aus Indien, und ich muss schlucken, als ich den Preis für die Emaille-Aufbewahrungsdosen aus Japan sehe. Und dann biege ich um die Ecke und staune: Die waren auf ihren Reisen offenbar auch in der Sesamstraße!

Thema: High Tea, Kaufen | Kommentare (1) | Autor:

Dicke fette Torte

Wednesday, 17. August 2011 16:20

Nein, diese Auslage kann ich beim besten Willen nicht zeigen. Was da an Kalorien zusammenkommt, ist unzählbar. Das Omonia Cafe in Astoria (Queens) hat schließlich die Hochzeitstorte für den Film “My Big Fat Greek Wedding” gemacht. Und auch für Leute eine Riesenauswahl, die nur ein Stück Torte essen wollen.

Man braucht allerdings ein gutes Gedächtnis: Vorne an der Theke verraten sie einem, wie denn dieses oder jenes Stück Konditoreikunst heißt. Aber bestellen muss man es am Tisch. Weil ich auf zwei Kuchenstücke ein Auge geworfen habe, merke ich mir zwei Namen. Aber das zweite Stück passt natürlich nicht mehr. Also esse ich nur Strawberry Mousse Cake.

Und den neuen Chocolate Cheese Cake mit der Red Velvet-Schicht probiere ich dann eben beim nächsten Mal. Allein aus Gedächtnisgründen muss ich dessen Namen hier hübsch aufschreiben.

Mehr Kuchentests?

Schwarzwälder Kirsch à la Chinatown

Japanese Cheesecake in Sunset Park

New York Cheesecake in Northampton

Thema: Essen, High Tea | Kommentare (3) | Autor:

Aufgelesen

Tuesday, 26. July 2011 13:19

Oh ja, gerade im Sommer sieht man, wie viel Ungeziefer sich in New York herumtreibt. Aber wer in Hochhäusern wohnt, hat zumindest nur wenig Angst vor Ratten aus dem Klo. Allerdings sind Leseratten da auch nicht so gern gesehen.

So richtig prinzipiell scheint die Klolektüre ja nicht verpönt zu sein. Aber diese Toilette befindet sich in einem Buchladen – erst zahlen, dann … na, Sie wissen schon.

Thema: Geld ausgeben, High Noon | Comments Off | Autor:

Abgedrückt

Saturday, 25. June 2011 20:59

Was man als Geschichte spannend findet, kann sich im wahren Leben ganz anders anfühlen. Man denke nur an die Geschichte mit dem Durchfall aus dem letzten Urlaub. Vom Zahnarztbesuch ganz zu schweigen. So geht es mir auch mit so einigen Geschichten aus New York.

Das Programm “Cash for Guns” soll den (illegalen) Waffenbesitz und damit die Waffengewalt in New York eindämmen. Man wird nicht nach Waffenschein oder ähnlichem gefragt und bekommt sogar finanziellen Ausgleich für das, was bisher in Schublade oder Schrank auf eine Schussgelegenheit gewartet hat (oder die längst hatte). Klar kann ich mir da sagen: Toll für eine Gruselgeschichte, und in Wirklichkeit habe ich mit solchen Leuten ja eh nichts zu tun.

Aber New York ist eine knalldichte Stadt, in der man jeden Tag mit unzähligen Leuten in Berührung kommt, von deren Kompetenzen in Sachen Anger Management man überhaupt nichts weiß, die quatschen einen in der U-Bahn an, streiten sich auf der anderen Straßenseite, stehen in der Warteschlange vorm Klo hinter einem. Zum Beispiel eine halbe Stunde, nachdem ich diesen Zettel fotografierte. Der quengelnde Mittzwanziger, der zwei hinter mir stand, ist nach einer Weile aus der Schlange ausgeschert und hat sich hinter einem Stapel Kisten einen halben Meter vor uns anderen erleichtert – und nein, wir standen nicht draußen.

Thema: High Life, typisch New York | Comments Off | Autor:

Kunst am Bau

Saturday, 18. June 2011 17:43

Es gibt bestimmt wieder Leute, die sagen, die haben doch einen Vogel. Der Vogel, der hier zwischen Steckdosen hockt, ist kein Werbemittel. Oder na ja, irgendwie schon. Die Bude ist voll bei Crest Hardware, einem Heimwerkermarkt in Williamsburg. Denn heute ist hier Vernissage. Zum zehnten Mal verwandelt sich der Gebrauchsgüterladen für ein paar Wochen in eine Galerie, und zwar ohne den Verkaufsbetrieb einzustellen. Ich finde ja, die Welt braucht mehr solcher Veranstaltungen.

Ich mag eben Sachen, die meine Wahrnehmung herausfordern. So sehe ich in einer Reihe von Schaufeln auf einmal den perfekten goldenen Schnitt, entdecke in einem Regal voller Werkzeuge einen Totenkopf, der anders als bei Damien Hirst nicht aus Diamanten, sondern aus Schrauben gemacht ist, verliebe mich in die Form einfacher Baustellen-Klemmlampen und muss danach zweimal hingucken, bis ich merke, dass die Lampe da oben ein Objekt aus lauter Kleiderbügeln ist. Und draußen bei den Gartenpflanzen steht eine Liege aus Teer (oder so, man darf sich jedenfalls nicht draufsetzen), ein unheimliches Tier steht im Gebüsch und dann … wird es mal wieder haarig.

Crest Hardware Art Show, 558 Metropolitan Avenue, Brooklyn, bis 30. Juli 2011

Thema: High Tea, Kunst | Kommentare (1) | Autor:

Hundewetter

Sunday, 12. June 2011 14:18

Nun ja, das Wetter ist ja so schlimm nun auch nicht. Aber für einen Freiluftmarkt eben nicht so angenehm. Auf der Renegade Craft Fair im Sommer in Brooklyn geht es sonst so lustig zu, die Händler bieten handgemachte Dinge an, die man sonst bei Etsy oder so findet: Postkarten mit netten oder frechen Sprüchen, bestickte T-Shirts, glitzernden Schmuck, bunte Kinderkleider, Keramik-Salz- und Pfefferstreuer in Avocadoform und Kissen, die aussehen wie Scrabble-Buchstaben oder wie ein New Yorker Gulli (nur ohne Dampf).

Nur die Sonne scheint einfach nicht. Gestern hat es ordentliche Schauer gegeben, da waren sogar die Picknicktische unter den Bäumen verlassen. “Nein, nicht hinsetzen, das ist doch ganz nass!”, ruft eine Frau einem Winzling zu und versucht, dabei nicht den Pappteller mit Essen fallen zu lassen.

Die Fußballspieler in der Mitte des Parks, an dessen Rand sich die Stände reihen, stört das alles nicht. Und eine Designerin, deren Kleider ich unter die Lupe nehme, sagt zu mir: “Wow, du sieht ja so trocken aus.” Irritiert schaue ich mich um. Ich sehe zwar niemanden, der tropft. Aber vor mir trägt ein Hund Schutzkleidung.

Thema: Geld ausgeben, High Noon | Kommentare (2) | Autor: