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New York liest!

Wednesday, 25. January 2012 20:26

Da sitzen sie und schauen dem entgegen, was sie als Beweis dafür werten, dass all diese vermeintlichen Experten falsch liegen: Kurze Texte sind nämlich nicht das Einzige, was überhaupt noch gelesen wird.

Der Chefredakteur des New York Magazine hat zu “Behind the Longreads” drei seiner Autoren mitgebracht: Wesley Yang, Jessica Pressler und Dan P. Lee sprechen über die Entstehung ihrer Long Reads – das sind sehr lange Geschichten, die aber eben keine Märchen, sondern Sachgeschichten sind. Und die wie hulle gelesen werden. Selbst die Aussicht, mehr über die Geschichten zu erfahren, zieht die Leute an: Es ist rappelvoll.

Wesley Yang macht aus seiner Geschichte jetzt ein Buch. Zum Schluss fragt jemand, wann denn so ein Punkt käme, wie man entschiede, dass da ein ganzes Buch drin stecke. Ganz einfach, sagt Yang: Er habe 50.000 Worte geschrieben, aber nur (!) 10.000 wurden gedruckt.

Ich bleibe jetzt mal bei 150 Worten. Ich will noch etwas lesen.

 

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Krach für Drachen

Monday, 23. January 2012 12:25

Es mag ja ein wenig neblig sein in New York. Aber das hier ist kein Wetterphänomen. Das ist das sichtbare Gegenstück dessen, was ich höre.

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Es ist nämlich schon wieder Neujahr, diesmal in Chinatown. Eigentlich hat das natürlich schon um Mitternacht angefangen, aber in New York ist Privatgeböller verboten (es brennt auch so schon viel zu oft). Also machen sie das in einer offiziellen Zeremonie mitten am Tag, an dessen Ende ich lerne: Man sieht Feuerwerk auch im Hellen. Jedenfalls, wenn genug Nebel drumherum ist.

Die Chinesen haben das mit dem Feuerwerk genauso raus wie das mit der Idee, dass böse Geister sich mit ordentlich Krach verjagen lassen. Nur Drachen sollen davon nicht wegfliegen, die sind in China was Gutes, und dieses Jahr sowieso, es ist ein Drachenjahr.

Mehr neue Jahre?

Ende Dezember am Times Square.

Ende September vor der Synagoge.

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Immer dasselbe Theater!

Wednesday, 9. November 2011 14:20

Eben erst hat mir ein Schreiner bestätigt, dass die New Yorker Feuerwehrleute nicht lange fackeln, wenn sie irgendwo hineinwollen. Er hat ein gutes Geschäft mit einer Reihe Türen gemacht, die komplett erneuert werden mussten, nachdem die Männer mit den Äxten und Helmen sie kurz und klein gehauen hatten.

Und jetzt stehe ich in der Kulissenwerkstatt der Metropolitan Opera und habe ein Dejà Vu: “Jeden Abend hauen die das kaputt”, sagt der Handwerker dort. Die Tafel am Ehrenmal von Bertarido fällt bereits in den Proben zu “Rodelinda” der Opernleidenschaft zum Opfer, und so muss eben ordentlich Nachschub gebaut werden.

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Eine Art Vorlesung

Friday, 14. October 2011 19:44

Henry Rollins ist ja nun nicht auf den Mund gefallen. Der Musiker, Schauspieler, Dichter, Autor und Spoken Word-Schimpftiradenmeister kann wie auf Knopfdruck Geschichten von seinen zahlreichen Touren erzählen und die dann so mal eben mit Kritik an Politik und Gesellschaft verknüpfen. Vor Jahren hat er mir mal im Interview erzählt, wie wenig er schläft. Damals ist er vor einem Pensum von 2.000 Worten nicht ins Bett gegangen.

Jetzt erzählt er von einer ähnlichen Arbeitsmoral. Seit einigen Jahren nimmt er sich jedes Jahr ein paar Monate Zeit zum Reisen. Und da gibt es einen Acht-Stunden-Arbeitstag, der im Beobachten und Fotografieren besteht. Weil er daraus jetzt seinen ersten Fotoband gemacht hat, ist er in der Buchhandlung McNally Jackson zu Gast. Aber das mit der Lesung läuft nicht wie gedacht. Zuerst interviewt ihn Musikerkollege Thurston Moore, oder sagen wir mal, er versucht’s. Henry Rollins sagt nach jeder Antwort: “Das war jetzt eine sehr lange Antwort auf deine Frage, sorry.”

Ich weiß nicht, ob es an der Verteilung der Redezeit liegt. Aber als es daran geht, ein Stück aus dem Fotoband zu lesen – zu jedem Foto hat Rollins ein (meist aggressives) Stück geschrieben – dreht Moore die Gepflogenheiten einfach mal um. “Du bist ja als fesselnder Vorleser bekannt”, sagt er in seiner Einführung, “und ich habe den Text zu diesem Bild hier ausgesucht. Den lese ich jetzt vor.” Und so kommt es, dass Henry Rollins bei seiner Lesung dasitzt und – zuhört.

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Regentanz

Saturday, 6. August 2011 20:36

Auch über 20 Jahre nach Alvin Aileys Tod gehört seine Choreographie “Revelations” zu den meistaufgeführten Modern Dance-Produktionen. Und nicht nur das Alvin Ailey American Dance Theater geht oft in Europa auf Tour (sein Hauptquartier hat es immer noch in New York). Sondern auch Ailey II ist gut gebucht. Da tanzen heute die besten Schüler der Ailey School.

Beim Zuschauen im Prospect Park lerne ich: Tanztheater geht voll in die Arme. Besonders bei einigen Leuten aus dem Publikum.

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Die Irrenärzte verlassen die Stadt

Monday, 1. August 2011 20:51

Erst bin ich ein bisschen enttäuscht. Susan Shapiro, die Moderatorin des Abends, scheint all ihre Studenten mobilisiert zu haben, sie dirigiert, wer wo sitzen soll – und nervt. Gerade als ich mich frage, ob das vielleicht schon zum Programm gehört, geht es los.

Es ist nämlich so: Die Therapeuten New Yorks verlassen im August in Scharen die Stadt (wie alle, die mental und monetär halbwegs beisammen sind). Zum Trost für all die anderen (selbstverständlich therapiesüchtigen) New Yorker hat Susan Shapiro “The Shrinks are Away!” erfunden, eine Lesung zum Thema.

Shapiro selbst liest als Vierte, monoton und blitzschnell, eine unglückliche Kombination, wenn man nicht der eigenen Muttersprache lauscht. Aber vorher habe ich ja schon spannende Geschichten gehört, zwei ehemalige Schüler von ihr haben gelesen, über eine irre Bombenlegerin und eine junge Frau, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter klarkommen muss, und dann war eine verhuschte Schriftstellerin dran, der Shapiro später, im Zusammenhang mit der Frage, wie man einen Buchvertrag bekommt, das Geständnis entfoltert, sie sei die Tochter von Erica Jong (“I wanna die right now”, sagt die junge Frau, deren Namen ich hier jetzt extra nicht erwähne – sie tut mir immer noch leid). Und als dann eben Shapiro so schnell und monoton liest, merke ich, wie meine Ohren beschließen, den Abend zu beschließen.

Aber dann kommt noch ein Shapiro. Harvey Shapiro nämlich, der 87-jährige Dichter, der sich vor der Veranstaltung auf dem Stuhl neben mir ausgeruht hatte. Und dann ist alles wieder richtig.

Harvey Shapiro arbeitete bei der New York Times (hatte einen normalen Job, wie er sagt) und schrieb abends Gedichte. Und was für welche! Inspiriert von seinem Weg zur Arbeit, von der Stadt, aber eben auch von einem langen Leben.  So manches davon inspiriert von Momentaufnahmen. Zum Beispiel “New York Notes”:

I

Caught on a side street
in heavy traffic, I said
to the cabbbie, I should
have walked. He replied,
I should have been a doctor.

II

When can I get on the 11:33
I ask the guy in the information booth
at the Atlantic Avenue Station.
When they open the doors, he says.
I am home among my people.

Hinterher gehe ich in der Poetry-Abteilung zum Buchstaben S. Nach Shakespeare kommt da Shelley. Banausen!

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Poetisches Privatvergnügen

Saturday, 30. July 2011 13:17

Jetzt bin ich am hellichten Tag im Bordell gelandet. Ich sitze an einem Tisch, auf dem ein uralter Revolver liegt, und blättere durch das Angebot, das Madame mir diskret zugesteckt hat. Die anbetungswürdige New Yorker Erfindung des Poetry Brothel ist heute auf Governors Island zu Gast (sonst meistens im Back Room), und es gibt ein kleines Problem: Im Moment ist nur eine Dame da, bei der man einen zuvor gekaufen Chip einlösen kann, um sich in einem der Zimmer oben privat unterhalten zu lassen. Und dorthin ist sie gerade mit einem Herrn verschwunden. Um ihm vorzulesen.

Also muss ich mich erst mal mit dem herrlichen Drumherum zufriedengeben: Viktorianisch-inspirierte, gewagte Kleider an Madame und der vielbeschäftigten Dichterin, raschelnde Vorhänge, gedämpftes Licht und vielversprechende Biografien der Damen und Herren des Hauses. Die haben es ja sonst schwer genug – mit Dichtkunst ist schwerlich Brot zu verdienen. Hier lockt schon am Eingang Poesie.

Allerdings sind draußen über 30 Grad (Celsius, wohlgemerkt).

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Aufgelesen

Tuesday, 26. July 2011 13:19

Oh ja, gerade im Sommer sieht man, wie viel Ungeziefer sich in New York herumtreibt. Aber wer in Hochhäusern wohnt, hat zumindest nur wenig Angst vor Ratten aus dem Klo. Allerdings sind Leseratten da auch nicht so gern gesehen.

So richtig prinzipiell scheint die Klolektüre ja nicht verpönt zu sein. Aber diese Toilette befindet sich in einem Buchladen – erst zahlen, dann … na, Sie wissen schon.

Thema: Geld ausgeben, High Noon | Comments Off | Autor:

Vorgefeiert

Thursday, 30. June 2011 21:39

Für Abergläubische ist das nichts. Nicht nur, dass hier schon vor dem Geburtstag gratuliert wird. Sondern auch noch groß gefeiert: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Amerika! Es dauert zwar noch vier Tage bis zum 4. Juli, aber wir lassen schon mal ein paar Raketen steigen.

Das kommt mir zupass. Ich gehe nicht zu Massenveranstaltungen, das berühmte Macy’s-Feuerwerk schaue ich mir lieber im Fernsehen an, als mit tausenden Leuten stundenlang in der Hitze zu stehen. Aber – auch wenn das für New Yorker sehr, sehr schwer zu verstehen ist – New York ist ja nicht die einzige Stadt in den USA, und anderswo gibt es auch Feuerwerk. Selbst in New York reicht das mit dem einen nicht aus, und das ist meine Chance. Heute wird im Astoria Park in Queens vorgefeiert.

Erst mal spielt das Astoria Symphony Orchestra, ich habe ein schönes Plätzchen gefunden, von dem aus ich zwar das Feuerwehrschiff nicht sehe, das von da hinter den Bäumen patriotisch Wasser strahlt (es hat auch bei 9/11 mitgeholfen), aber ich sehe den Wasserstrahl. Der Mann auf der Familiendecke neben mir bietet mir in Englisch mit Akzent etwas zu trinken an, und Cupcakes, die hat seine Frau gebacken, sie macht das so gerne.

Und dann ist es auf einmal dunkel, und nach einer lakonischen Ansage feuern die Feuerwerker, was das Schwarzpulver hergibt. Natürlich lässt sich das in einem Bild schlecht einfangen. Ebensowenig wie die Haltung der New Yorker um mich herum: Da hört man nicht nur Ooohs und Aaahs, sondern Jubel. Und zum Schluss wird geschrien und geklatscht, als wäre da gerade ein Rockstar vom Himmel gefallen.

Thema: High Life, Lifestyle | Comments Off | Autor:

Zeit ist Geld

Tuesday, 14. June 2011 19:16

Heute ist Museum Mile Festival. Für drei Stunden am frühen Abend sind 20 Häuserblocks der Fifth Avenue gesperrt, und neun große Museen öffnen ihre Türen, ohne Eintritt zu verlangen. Bei der Gelegenheit wollte ich rasch ins Guggenheim springen und mir nur eine einzige Sache anschauen:  Hans-Peter Feldmanns Preisgeld. Der deutsche Künstler hat 2010 den Hugo Boss Prize gewonnen, und das nutzt er in seiner Soloausstellung in einer der kleinen Seitengalerien im Guggenheim Museum. 100.000 Dollar hat er dort an die Wand gepinnt. Aber heute bekomme ich sie nicht zu sehen.

Die Schlange draußen auf der Straße ist mir zu lang. Letztes Jahr hatte ich mehr Glück mit dem Museum-Hopping. Aber da gab es dabei ja auch kein Geld.

Thema: High Tea, Kunst | Comments Off | Autor:

Klagelust

Monday, 6. June 2011 13:25

New Yorker stellen nicht nur französische ehemalige Weltbankchefs vor Gericht. Aber Griechen kriegen mitunter Erfrischungen dazu.

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