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Abschalten im Coffeeshop

Wednesday, 1. February 2012 16:50

Wie in anderen Großstädten auch sieht man in New York viele Leute im Café vor ihrem Computer sitzen. Manche schauen nur mal schnell etwas nach, manche lesen, und manche tun das, was sie Arbeit nennen. Besonders in Hipstervierteln kann das dazu führen, dass alle Tische den ganzen Tag lang von denselben Computern belegt sind.

Manche Cafés sind extra dafür ausgelegt, sie bieten nicht nur WiFi, sondern auch Stromanschlüsse direkt auf dem Tisch, und sie haben Gäste, die wissen, dass man artig jede Stunde wieder etwas Neues bestellt. Andere Cafés hätten lieber mehr Fluktuation, weniger Stromverbrauch und mehr freie Sicht auf Gesichter. Das müssen sie ihren Gästen natürlich irgendwie beibringen. In diesem Laden in Williamsburg geschieht das sehr freundlich:

Ich habe aber auch schon Tisch-Aufsteller gesehen, auf denen stand: “Das ist hier nicht dein Büro.” Mit Hinweisen, was alles nicht auf den Tisch darf. In Großbuchstaben und mit dem Zusatz, das gelte auch für iPads.

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Wo in New York die Uhr tickt

Tuesday, 31. January 2012 12:48

Ich habe gehört, es ist kalt in Deutschland. Hier wird der Winter immer seltsamer. Kein Schnee, nirgends, und heute fühlt sich die Sonne wie Frühling an, nur die Gegend sieht falsch aus dazu. Aber in der Mittagspause komme ich an Menschen vorbei, die ihren Lunch im Park genießen.

Es ist ein kleines Vergnügen in einer Ordnung, die aus den Fugen geraten ist. Und gleich um die Ecke erinnern Zahlen daran, dass noch etwas ganz anderes nicht stimmt (obwohl wir uns fröhlich auf der Sonnenseite wähnen).

Das ist die Schuldenuhr. Sie hängt gleich neben einer Niederlassung der Steuerbehörden in New York und hält fest, wie tief die USA im Minus stecken. Oder besser gesagt, sie hält es ja eben gerade nicht fest. Sie ist immer in Bewegung. Und sie rechnet dabei auch ständig vor, welcher Anteil an Schulden auf jede Familie entfällt. Vor etwas weniger als zwei Monaten sah das noch so aus:

Ja, ich weiß, das wirkt irreführend, die Momentaufnahmen in dieser Reihenfolge zu zeigen. Es könnte schließlich einer auf die Idee kommen, es werde schon irgendwie besser.

Aber das denken wir hier doch alle.

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Dünger in der Großstadt

Saturday, 28. January 2012 16:15

Nein, das hört nicht auf. In vielen Stadtteilen New Yorks sieht man Hundebesitzer zwar hinter den Hinterlassenschaften ihrer Fifis herräumen oder Leute hastig zur Seite springen, wenn mal wieder einer sich mit frischer Scheiße in der Hand einen Weg durch die Menschenmenge bahnt, nur den Mülleimer fest im Blick. Trotzdem müssen sich New Yorker immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um sich gegen die Kackbomben zu wehren. Oder gegen den weitverbreiteten Irrtum, massenweise Exkremente seien gut für die Botanik.

Mehr Schilder für Hunde?

Kackfrei

Terrorhunde

Pups

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Zum Trocknen nach Grand Central

Friday, 13. January 2012 16:43

Die Toiletten in Grand Central entsprechen ja zum Glück nicht den Vorstellungen von einem traditionellen Bahnhofsklo. Sie sind recht sauber. Und als ich sie wieder verlasse, geben sie mir einen dieser Momente, über die ich hier schreibe. Es gibt ja Leute, die in allem, was sie sehen, sofort einen Grund finden, sich aufzuregen, meist kommen dabei andere Leute ganz schlecht weg. Andere Leute sehen ständig etwas, das ihre Neugier entfacht. Mit beidem zu reagieren geht natürlich auch, aber irgendwas muss ja nun mal zuerst kommen. Also hergeschaut:

Viele Touristen, die hier notgedrungen eingekehrt sind, denken bei diesem Anblick bestimmt: Ach, sieh mal, wie doof die Leute hier sind, denen muss man ja wirklich alles erklären. Ich bin mir da nicht so sicher. Was, wenn die Leute hier einfach nur verdammt erfinderisch sind? Ich frage mich jedenfalls, für welche Zwecke diese Händetrockner schon verwendet wurden, bevor jemand diesen Zettel geschrieben, ausgedruckt und aufgehängt hat.

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Keine Macht dem Feinstaub

Thursday, 12. January 2012 16:59

New Yorker Schulen sind Bastionen gegen das Böse. Jedenfalls versuchen sie das mit diversen Mitteln. An vielen Schulgebäuden sieht man Schilder, die die Schule zur drogenfreien Zone erklären und Drogenhändlern Strafverfolgung androhen. Manche lassen Schüler, Lehrer, andere Mitarbeiter und Eltern durch Metalldetektoren laufen, wenn sie die Schule betreten möchten.

Schuldirektoren hier und da hängen Plakate auf, die die Sache mit den Drogen aufgreifen: Sie erklären die Schule zur zuckerfreien Zone. Schließlich stellen sich Eis- und Süßigkeitenhändler gern mittags dorthin, wo Schulkinder zu erwarten sind. Das sind alles schon schwer zu bekämpfende Gegner. Aber Luftverschmutzung?

Asthma ist in einigen Stadtteilen ein Riesenproblem. Erst bezweifle ich, dass es sich von einem Schild in die Flucht schlagen lässt – aber die Aufforderung leuchtet mir ein. Tja, man sollte eben den gesamten Text lesen. Wie in der Schule.

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Einer geht noch

Tuesday, 3. January 2012 16:40

Es will in New York nicht jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden. Manche träumen stattdessen von einem Gaststättenimperium. Dann gibt man seiner Firma einen Namen und der ersten Kneipe einen anderen, so für alle Fälle, damit man mit dem Firmennamen auch anderswo arbeiten kann, ohne Verwirrung zu stiften. Oder so ähnlich. Die Leute, die die Bar mit den 16 Fernsehern (Sport, Sport und noch 14 Mal Sport) direkt gegenüber von der Fox News-Zentrale besitzen (und inzwischen noch vier weitere), halten mit ihrem Firmennamen aber nicht hinterm Berg. Sie schreiben ihn übers Fenster.

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Silvester-Wünsche

Thursday, 29. December 2011 12:32

Gute Vorsätze ausdenken kann ja jeder. In New York darf man auch ein kleines bisschen träumen – und sich zum neuen Jahr etwas wünschen. Auch dieses Jahr wieder kann man mit besten Wünschen im Time Square Visitor Center auflaufen, sie in Worte fassen und auf ein Zettelchen schreiben, das kommt dann erst an die Wish Wall und später wird es das Konfetti, das auf die Massen herabregnet, wenn die Silvester-Kugel ins Rollen kommt.

Was da dann zusammenkommt, erscheint mir ein gutes Bild von New York – und seinen Besuchern – zu geben. Einer wünscht, dass Mama wieder gesund wird, ein anderer will mit seiner Show groß rauskommen, jemand wünscht seine Brüder heil zurück aus Afghanistan, irgendjemand möchte unbedingt studieren, Zac Efron treffen, Profi-Eishockey-Spieler werden, Weltfrieden hängt da neben Geld, Glück neben Reisen, und das hier:

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Bindungsängste

Tuesday, 29. November 2011 23:43

Auf einmal flackern die Lichter. Das kenne ich schon. Alle paar Monate passiert das, meistens geht es schneller wieder vorbei, als ich den Stecker ziehen kann. Aber diesmal flackern die Lichter erst mal gar nicht, nur die Internetverbindung ist verdächtig langsam. Ich ziehe den Stecker vom Modem, stecke ihn wieder in die Dose, und dann geht das Geflacker los. Und hört nicht wieder auf. Ich kenne das Prozedere gut genug, durch das mein Internetprovider mich führt, wenn es Probleme gibt. Schließlich hatte ich schon Eichhörnchen. Sind die Biester zurück? Ich weiß es nicht. Was ich aber erfahre: Ein Techniker muss kommen. Das geht frühestens in mehr als einer Woche. Minuten später klingelt mein Telefon: automatische Befragung zur Qualität des Service.

Eine Weile später trägt mir das Internet (jawohl: das GANZE Internet!) eine On-Off-Beziehung an. Die lehne ich natürlich empört ab.  Der Techniker soll das lieber erst mal zu einer verlässlichen Bindung weihen.

Aber jetzt gerade flackert es nicht, da kann ich ja mal eben versuchen, einen Blogpost hochzuschieben, oder?

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Gaga Advent

Sunday, 27. November 2011 17:44

Ha, erster Advent! Damit niemand hinterher sagen kann, Weihnachten sei wieder so plötzlich gekommen, werde ich an jedem Adventssonntag etwas Passendes in den Blog stellen. Tja, und was macht man in der Vorweihnachtszeit in New York? Einkaufen natürlich. Die großen Kaufhäuser dekorieren ihre Schaufenster so, dass Modeblogs in aller Welt Purzelbäume machen. Und Barneys setzt dem Zirkus dieses Jahr noch einen drauf.

Als Mike Lee im September 2010 auf dem CEO-Sitz bei Barneys Platz nahm, schrieb er sofort einen Brief an das Management von Lady Gaga. Er wollte von vornherein, dass das Modekaufhaus mit dem Monsterstar zusammenarbeitet. Unter anderem sieht man deshalb jetzt eben ein Gagamobil im Schaufenster. Und, passend zu anderen Teilen der Gaga-Abteilung, auch ein maritimes Motiv:

Das macht mich stutzig. So etwas Ähnliches zeigt auch das konservativere Haus Bergdorf Goodman. Dort spielen Monster keine Rolle, aber es steht ein Karneval der Tiere in den Schaufenstern.

Und wenn ihr alle schön brav seid, zeige ich bald vielleicht noch ein paar Schaufenster.

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Lacher auf der Kiste

Sunday, 20. November 2011 22:30

Der Comedy-Abend in der Beauty Bar hat neue Gastgeber. Und kaum haben die sich die Bühne unter den Nagel gerissen, schwant mir, dass Detroit New York übernommen hat. Heute jedenfalls kommen verdächtig viele Leute aus Michigan, und das schickt mir so Kalauer in den Kopf wie “na, immerhin ihren Humor haben sie nicht verloren” (womit ich nicht den letzten Künstler unter den Tisch fallen lassen will – New Jersey hat schließlich am Ende die Hosen runtergelassen). Die anderen Leute hier ahnen ja nicht, wie viel Glück sie haben, dass mich niemand auf die Bühne geschickt hat. Bei deren Anblick frage ich mich, ob wir hier Zeugen eines Rekords werden:

Die kleinste Bühne der Welt. Na ja gut, eine der beiden Kisten können wir doch noch wegnehmen, oder?

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Moment mal: Beethovenmonat?

Saturday, 19. November 2011 17:12

“Awareness” ist eine wichtige Sache. Ich kann das nicht so recht übersetzen, und jedes Mal aufs Neue frage ich mich, ob das nicht mehr an der dahinterstehenden Kultur als an der Vokabel liegt. In New York gehört es zum Alltag, sich für andere einzusetzen – natürlich nicht in der U-Bahn, in der Wartschlange oder sonstwo, wo man andernorts gutes Benehmen beobachten kann. Aber es gibt unzählige Organisationen, die Gutes im Sinn haben, und denen gibt man Geld oder Zeit. Weil die Organisationen wiederum auf Spenden und auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sind, lassen sie sich etwas einfallen. Und ein Teil davon ist “awareness”: Sie machen auf ihr Anliegen aufmerksam. Da gibt es dann einen Cancer Awareness-Lauf oder HIV-Awareness-Schleifchen, oder man lässt namhafte Architekturbüros Modelle aus Lebensmitteldosen bauen, um auf den Hunger in der Stadt aufmerksam zu machen (jahaa, Canstruction!).

Das jetzt mal so als Hintergrund. Und dann dies hier: Ein Klassikradiosender hat den Beethoven Awareness Month ausgerufen. Und kein geringerer als Shephard Fairey hat das Plakat dafür gemacht.

Ich weiß nur nicht, ob das alles funktioniert – ich habe das Foto schon vor Wochen gemacht und … glatt vergessen, darüber zu schreiben.

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