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Kalte Knochen in Gravesend

Sunday, 15. January 2012 14:44

Wann, wenn nicht an einem Wintertag, bei dem einem allein vom Wind die Knochen erkalten, fahre ich in einen Vorort namens Gravesend? Dessen Stadtrechte gehen auf das Jahr 1643 zurück, als das Drumherum noch längst nicht New York hieß und man hier nicht Englisch, sondern eine der Lenape-Sprachen oder Holländisch sprach. Außer in Gravesend. Es war die erste Ansiedlung mit Stadtrechten in Englisch, und die erste in der ganzen Neuen Welt, die von einer Frau gegründet wurde: Lady Deborah Moody war als Witwe in die USA gegangen, weil sie als Wiedertäuferin in England verfolgt wurde.

Lady Moody benannte ihre kleine Stadt nach dem gleichnamigen Ort in der Grafschaft Kent (wer mehr auf der Seite der Niederländer steht, beharrt allerdings darauf, dass das von niederländischen Worten für Kiesstrand kommt) und gab ihr – noch ein Novum – die Rasterstruktur, für die heute Manhattan so berühmt ist. Dabei liegt Gravesend weit draußen in Brooklyn, kurz vor Coney Island. Und selbstverständlich gibt es auch Gräber, darunter uralte, ich meine so richtig uralte.

Und gleich neben dem Gravesend Cemetery liegen noch mehr Gräber, auf dem kleinen Friedhof der Familie van Sicklen, die sich zusammen mit Lady Moody (und mehr als 20 weiteren Familien) hier niedergelassen hatte, aber, wenn man der Legende glauben mag, nach Streitereien neben ihren Feinden nicht mal begraben sein mochten, jedenfalls nicht ohne Zaun dazwischen.

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Silvester-Wünsche

Thursday, 29. December 2011 12:32

Gute Vorsätze ausdenken kann ja jeder. In New York darf man auch ein kleines bisschen träumen – und sich zum neuen Jahr etwas wünschen. Auch dieses Jahr wieder kann man mit besten Wünschen im Time Square Visitor Center auflaufen, sie in Worte fassen und auf ein Zettelchen schreiben, das kommt dann erst an die Wish Wall und später wird es das Konfetti, das auf die Massen herabregnet, wenn die Silvester-Kugel ins Rollen kommt.

Was da dann zusammenkommt, erscheint mir ein gutes Bild von New York – und seinen Besuchern – zu geben. Einer wünscht, dass Mama wieder gesund wird, ein anderer will mit seiner Show groß rauskommen, jemand wünscht seine Brüder heil zurück aus Afghanistan, irgendjemand möchte unbedingt studieren, Zac Efron treffen, Profi-Eishockey-Spieler werden, Weltfrieden hängt da neben Geld, Glück neben Reisen, und das hier:

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Die Jerusalem-Odessa-Connection

Saturday, 5. November 2011 16:26

Ich lande hier immer in demselben Laden. Dabei gibt es in meiner Fantasie hier irgendwo ein Café, in dem betagte, beringte Damen Torte essen, Tee aus dem Samowar schlürfen und zwischendurch einen Wodka kippen. Nur finde ich ihn nicht. Also gehe ich mal wieder in den Feinkostladen, in dessen oberer Etage die Torten auf mich warten und ein paar Tische stehen. Da sitze ich, trinke starken russischen Tee und esse italienischen Kuchen dazu und verfolge auf dem Fernseher einen Technicolor-Film mit zickigen Damen und einem lustigen Musikanten, den ich auch ohne Sprachkenntnisse verstehe.

Die anderen Tische füllen sich derweil. Da kommt noch ein älteres Paar. Er fragt mich, ob sie sich zu mir setzen dürften, ich sage: Na klar, aber dann brauchen Sie noch einen Stuhl. Darum kümmert er sich selbst, während sie schon am Tresen bestellt. Sie haben sich noch nicht hingesetzt, da ist mir schon klar: Das sind furchtbar nette Menschen. Sie machen mir als erstes klar, dass ich in ihren Augen ganz, ganz jung bin und dass es da keine Widerrede gibt. Sie kommen aus Israel, sagen sie, und schwärmen mir von Jerusalem vor. Ich entblöde mich, sie zu fragen, ob sie dort geboren und aufgewachsen sind – und in dem Moment fällt mir ein: Sie sind sicherlich älter als Israel. Sie übergehen das aber freundlich.

“Ich bin Asiatin”, sagt sie, und ich schaue irritiert auf ihr kurzes, gelocktes, rotes Haar und die blassen Sommersprossen. “Ich komme aus Kasachstan”, fügt sie hinzu. Eine Erdkundestunde bekomme ich also gleich noch dazu. Er kommt aus der Ukraine. Aber sie mögen russisches Essen.

Sie haben so lange in Israel gelebt … Ach, und Jerusalem. Ich bräuchte in Israel nirgendwo anders hinzureisen als nach Jerusalem. Ich erzähle ihnen, dass ich noch nie in Israel war, dass mir Bekannte aber schon öfter von Tel Aviv vorgeschwärmt haben.

“Ach, Tel Aviv”, winkt er ab. “Das ist wie jede andere Großstadt auch, da finden Sie nichts Besonderes.” Ich frage, was denn an Jerusalem so anders sei. Das Gefühl, sagen sie, schwer zu erklären. “Die Geschichte, die alten Häuser?”, frage ich. Aber das trifft es nicht, es sei die ganze Atmosphäre – “aber nicht einmal in religiöser Hinsicht”, sagt sie gleich dazu. Und das Licht. Das Licht sei einfach anders als sonstwo, einzigartig. Ganz klar, weil Jerusalem weit oben liegt, und dann seien ja auch die Häuser alle aus rosa Stein gebaut, etwas anderes gibt es da eben kaum, und das mache das Licht erst recht besonders.

Schließlich gibt mir der alte Herr seine Reiseweisheit mit auf den Weg. Als Physiker hat er die ganze Welt bereist. Wenn ich ihm irgendeinen Ort sagte, kenne er den vermutlich. Und sein Rat? “Vergessen Sie Tourismus”, sagt er. Besonders in New York. “Nach Paris wegen der Museen? Bleiben Sie in Manhattan, da haben Sie alles, was Sie sehen wollen. Nach Paris wegen der Boutiquen? Bleiben Sie in Manhattan. Das finden Sie heutzutage dort alles. Wenn Sie ein Künstler sind und unter fremde Menschen wollen und Sie das wirklich interessiert, dann reisen Sie nach Paris.”

Die beiden leben in Long Island, ihre Kinder und Enkelkinder wohnen in Brooklyn Heights. Sie haben eingekauft hier in Brighton Beach, das auch unter dem Namen “Little Odessa” bekannt ist. Es gibt ja alles hier, und so günstig. “Das hält wahrscheinlich für einen Monat vor”, sagt er mit einem Blick auf die Tüten, auf denen russische Schriftzeichen stehen. Sie schaut skeptisch. Nachdem wir einander ein schönes Wochenende gewünscht haben, mache ich mich auf den Weg. Ich bin in Versuchung, kleine Teigtaschen zu kaufen, aber ich finde nicht heraus, womit sie gefüllt sind. Am Ende kaufe ich Nutella – zwei Gläser für 5 Dollar sind ein Argument. Ich glaube, es stammt aus Polen. Dort versteht man, was ich seit Jahren predige: Haselnusscreme gehört nicht in den Kühlschrank.

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Größte Veränderung der Stadtgeschichte

Wednesday, 2. November 2011 14:41

Betty wohnt in der Nachbarschaft. Im Gegensatz zu mir lebt sie schon ihr ganzes Leben in der Gegend, und sie hat mir ein paar Lenze voraus. Als eines von acht Geschwistern hat sie hier eine Menge erlebt, bewegt, kommen und gehen sehen. “Es war alles völlig anders als heute”, sagt sie. Ich frage, welche Veränderung ihr heute am stärksten auffällt. Sie sagt: “Die Hunde.” Und dann erklärt sie mir, dass man früher nicht aufpassen musste, ob man von einer Hundeleine gefällt wird. “Besonders diese Laufleinen”, sagt sie, “die übersieht man so leicht.”

Und dann erzählt sie mir einen Witz aus dem Straßenverkehr, dessen Wortspiel leider unübersetzbar ist.

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Wurmloch im Big Apple

Monday, 3. October 2011 17:09

Auf den ersten Blick ist es Obst in Überlebensgröße. Riesig, Apfel, Big Apple, alles klar, abgehakt. Moment: Hinter der Skulptur im Millennium Garden des Hudson River Parks steckt noch eine andere Geschichte. Der Künstler, der sich dieses Werk ausgedacht hat, heißt Stephan Weiss. Obwohl dieses Werk zu einer Serie gehört, die er “Larger Than Life” nannte, hat er seine Kunst nie so recht an die große Glocke gehängt. Weiss dachte, ihn würde keiner als Künstler ernstnehmen. Er war schließlich der Ehemann von Donna Karan.

Die New Yorker Designerin zog sich weit aus dem Geschäft zurück, als Weiss vor zehn Jahren an Krebs starb. Dieses Jahr erinnerte sie mit einer Preisverleihung an ihn: Bei den Urban Zen Stephan Weiss Apple Awards gibt es einen Bronzeapfel. Allerdings in etwas kleinerem Umfang als bei diesem hier (er wiegt rund drei Tonnen, so was möchte man sich ja doch nicht so gern in die Hand drücken lassen). Die wahre Stärke zeigt sich hier draußen im Kleinen: Die Bank um den Apfel herum ruht auf Apfelkernen.

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Welt unter Druck

Wednesday, 28. September 2011 16:17

Man hört es oben auf dem High Line Park. Das Grollen kommt aber nicht von oben, wie sonst, wenn ein Gewitter heranzieht. Es klingt auch gar nicht nach Donner. Sondern so:

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Das Geräusch kommt aus den Tiefen der Erde. Die ganze Welt ist im Moment hier in New York, und sie steht ganz schön unter Druck.

Unten auf der Straße verdichtet sich das Bild. Demnächst soll sich hier die Kunstwelt treffen. Die Pace Gallery hat nämlich noch nicht genug Platz in New York. Bevor sie sich hier ausbreitet, hat sie David Byrne eingeladen. Der Talking Heads-Musiker hat sich “Tight Spot” ausgedacht:

Und natürlich auch den Klang dazu. Mehr noch: Es ist seine Stimme, mit den Möglichkeiten der Tonproduktion zum Erdgrollen umgearbeitet.

Vorn ist ein Rolltor, und es steht auch ein Ausstellungswächter da, in Uniform, auf der “Tight Spot” steht. Seine Locks sind viel länger als meine, tiefschwarz, und er spricht mit dem typischen französischen Akzent der Menschen aus Haiti. Wenn er zur Schicht erscheint, schauen die Galerieleute oft verwundert von seinem Gesicht auf ihre Mitarbeiterliste und zurück. “Du bist Hans? Kann doch gar nicht sein.” Hans weiß auch nicht, was sich sein Vater dabei gedacht hat, ihm einen deutschen Namen zu geben.

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Wer ist der Kerl?

Saturday, 3. September 2011 12:35

Einmal im Jahr kommen die besten Graffiti-Künstler auf diesen Schulhof in East Harlem und schreiben die Wand voll. Eine Hall of Fame ist in ihrer Welt zunächst einmal bloß eine Fläche, die man legal und unbehelligt anmalen darf. Aber diese hier ist schon ziemlich berühmt; seit 1980 zeigen die Tagger und Writer hier, was sie können. Und das dürfen sie nur einmal im Jahr, meistens kurz bevor die Schule wieder beginnt. Wegen des Sturms mochte ich mich da letzte Woche nicht hinbewegen. Heute schaue ich sie mir fröhlich mit ein paar netten Leute zusammen an. Und amüsiere mich über die Schlümpfe – wenn das mal nicht eine Anbiederung an aktuelle Mainstream-Kultur ist.

Und dann, als wir uns zum Gehen wenden, fragt uns ein fegender Mann: Wer ist der Typ da? Ich denke erst, das ist ein Ratespiel. Aber der Mann, der offenbar in der Schule arbeitet, denkt wiederum, wir kennen uns aus, weil wir ja so viele Fotos gemacht haben. Das kitzelt meine Spürnase.

Ich schaue noch mal ganz genau hin. Der Kerl besteht aus ganz viel Schrift: Case2. Später finde ich heraus: Case 2, einarmige Größe der Szene seit den 70ern, ist vor kurzem gestorben, und die Künstler, u.a. von seiner Crew The Fantastic Partners (TFP), haben ihm dieses Jahr ihr Werk gewidmet.

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Falscher Schnurrbart?

Monday, 15. August 2011 16:46

Ist er wieder da? Eigentlich war Joseph Waldo ja Ende Juni aufgeflogen, und da hatte er versprochen, das nicht mehr zu machen. Aber wer weiß, vielleicht war das ja nur ein weiterer Coup. Ebenso wahrscheinlich könnte es aber sein, dass einer seiner Nachahmer am Werk war; es fehlen die Schnörkel an den Enden. Aber der Rest passt. Denn Waldo, der als Moustache Man in die Sommerloch-Geschichte New Yorks eingehen könnte, malt nicht einfach Schnurrbärte auf Plakatgesichter. Das sieht nur von weitem so aus.

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Vorsicht, scharf!

Wednesday, 10. August 2011 13:06

Margery hatte einen Kunst-Abschluss und einen Job im Fischmarkt. Da lernte sie ein paar Brocken Japanisch – und eine Menge über Messer.

Seit 1983 schärft sie Messer. “Da war ich fünf”, lacht sie, weil das ja schon eine ganze Weile her ist, dass sie mit dem Samurai Sharpening Service angefangen hat. Ich habe ihr zwei meiner Messer mitgebracht und sehe sie gut bei ihr aufgehoben. Sie schaut erst einmal nach, ob sie etwas gegen die Flecken auf dem großen Messer unternehmen kann. Aber die gehen nicht weg. Es ist kein teures Messer gewesen, ich mag aber, wie es in meiner Hand liegt. Und Margery zuckt keine Wimper. Sie behandelt alle Messer gleich. In bedauerndem Ton erklärt sie mir, warum die Flecken nicht weggehen.

Und dann schärft sie meine Messer in Handarbeit. Zweimal in der Woche kommt sie in den Chelsea Market, um ihre Dienste anzubieten. Sonst widmet sie sich ihrer Kunst. Gestern hat sie ein Keramikkamel gemacht. Aber das war eben gestern. Eben hat sie einem Messer einen neuen Griff verpasst. Und sie kennt auch die Regel, dass man keine Messer verschenkt. “Das ist Aberglaube”, lacht sie zwar, fragt mich aber, ob man da in Deutschland dann auch einen Pfennig verlangen muss.

Ich bekomme meine Messer ohne Pennies zurück. Aber nachdem Margery sie in Zeitungspapier eingeschlagen hat, kommt noch ein Aufkleber drauf. Der warnt, dass die Messer da drinnen jetzt wieder scharf sind. Sicher ist sicher.

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Die Irrenärzte verlassen die Stadt

Monday, 1. August 2011 20:51

Erst bin ich ein bisschen enttäuscht. Susan Shapiro, die Moderatorin des Abends, scheint all ihre Studenten mobilisiert zu haben, sie dirigiert, wer wo sitzen soll – und nervt. Gerade als ich mich frage, ob das vielleicht schon zum Programm gehört, geht es los.

Es ist nämlich so: Die Therapeuten New Yorks verlassen im August in Scharen die Stadt (wie alle, die mental und monetär halbwegs beisammen sind). Zum Trost für all die anderen (selbstverständlich therapiesüchtigen) New Yorker hat Susan Shapiro “The Shrinks are Away!” erfunden, eine Lesung zum Thema.

Shapiro selbst liest als Vierte, monoton und blitzschnell, eine unglückliche Kombination, wenn man nicht der eigenen Muttersprache lauscht. Aber vorher habe ich ja schon spannende Geschichten gehört, zwei ehemalige Schüler von ihr haben gelesen, über eine irre Bombenlegerin und eine junge Frau, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter klarkommen muss, und dann war eine verhuschte Schriftstellerin dran, der Shapiro später, im Zusammenhang mit der Frage, wie man einen Buchvertrag bekommt, das Geständnis entfoltert, sie sei die Tochter von Erica Jong (“I wanna die right now”, sagt die junge Frau, deren Namen ich hier jetzt extra nicht erwähne – sie tut mir immer noch leid). Und als dann eben Shapiro so schnell und monoton liest, merke ich, wie meine Ohren beschließen, den Abend zu beschließen.

Aber dann kommt noch ein Shapiro. Harvey Shapiro nämlich, der 87-jährige Dichter, der sich vor der Veranstaltung auf dem Stuhl neben mir ausgeruht hatte. Und dann ist alles wieder richtig.

Harvey Shapiro arbeitete bei der New York Times (hatte einen normalen Job, wie er sagt) und schrieb abends Gedichte. Und was für welche! Inspiriert von seinem Weg zur Arbeit, von der Stadt, aber eben auch von einem langen Leben.  So manches davon inspiriert von Momentaufnahmen. Zum Beispiel “New York Notes”:

I

Caught on a side street
in heavy traffic, I said
to the cabbbie, I should
have walked. He replied,
I should have been a doctor.

II

When can I get on the 11:33
I ask the guy in the information booth
at the Atlantic Avenue Station.
When they open the doors, he says.
I am home among my people.

Hinterher gehe ich in der Poetry-Abteilung zum Buchstaben S. Nach Shakespeare kommt da Shelley. Banausen!

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Um die Wurst

Monday, 4. July 2011 15:54

Heute kommt wieder das große Fressen. Immer am Unabhängigkeitstag essen sie in Coney Island Hotdogs um die Wette, das muss man sich wie Sport vorstellen: Ein Verband macht hinter den Kulissen Politik, das Fernsehen wartet darauf, dass der Startschuss fällt, dann mühen sich die Teilnehmer um neue Rekorde, und hinterher wird gekotzt.

Zum fünften Mal in Folge hat dieses Jahr Joey Chestnut gewonnen. 62 Wurstbrötchen hat er in 10 Minuten verdrückt, zufrieden ist er damit nicht, sein Rekord liegt bei 68. Und sein Erzrivale war schon zum zweiten Mal nicht dabei, das macht ja dann keinen richtigen Spaß.  Takeru Kobayashi lehnt die Teilnahmebedingungen ab, die einen an besagten Verband binden (über die strafrechtlichen Folgen für Takeru schrieb ich im letzten Jahr).

Er ist dieses Jahr nicht mal als Zuschauer nach Coney Island gefahren, sondern hat auf einem Dach in Manhattan seine eigene Veranstaltung abgehalten. Und mit 69 Hotdogs mal eben den Weltrekord – nun ja: gebrochen.

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