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Lärm machen wie in den 90ern

Saturday, 17. December 2011 19:13

Vor 20 Jahren hat sich Phil Kline etwas ausgedacht, das zum Dezember gehört und im Dezember gehört werden soll in den Straßen von New York. Seither gibt es jedes Jahr “Unsilent Night”. Wenn sie es erklären sollen, sagen manche: Ach, da muss man dabei gewesen sein. Aber das sind ja schlecht erzählte Geschichten, die so enden. Ich versuche es mal andersherum. Nämlich mit den entscheidenen Zutaten:

plus

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ungefähr gleich

Hat nicht funktioniert? Na, dann eben noch die Rechenregeln: Phil Kline hat vier elektonische Stücke komponiert, die gleichzeitig draußen abgespielt das ergeben, was ihm vorschwebte. Das machte er zu einer Zeit, als Menschen mit Knopf im Ohr noch pure Science Fiction waren. Deshalb verteilte er ein paar Stereorekorder mit Kassetten mit je einem dieser Stücke an ein paar Freunde, und die liefen dann mit ihm durch New York, bis das Stück zu Ende war. Das hat er wiederholt, sich damit mehr Freunde gemacht, und inzwischen gibt es “Unsilent Night” in vielen anderen Städten auch.

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Wein im Park

Friday, 16. December 2011 17:23

Was stimmt nicht an diesem Bild? Na ja wohl die Mütze des Elefanten! Zu der Jahreszeit, die sie andeutet, geht man in New York zwar auch gerne in den Park. Aber dazu zieht man sich anders an. Und man liegt nur dann herum, wenn man in einem Zustand ist, bei dem man keine Zeitschrift mehr halten kann.

Diese Szene hier sagt also: Der Indoor-Park ist wieder da! Hipster haben ihn letztes Jahr schon geliebt, was zu einem Gutteil an den ganzen Steckdosen für die Hipster-Accessoires liegt. Aber dieses Jahr geht es hier etwas traditioneller zu. Schuld daran ist ein Musikmagazin. Das hat hier heute eine Band eingeladen, die keinen Unterschied zwischen Evergreens und abgehalfterten One Hit Wonders macht, aber das ist doch egal. Dazu gibt es nämlich auch eine Weinprobe von einem Hersteller mit dem verdächtigen Namen Wines That Rock. Mit Grateful Dead werde ich trotzdem nicht warm. Aber es gibt ja genug Sorten. Und das Beste ist: Man darf ganz legal im Park trinken!

Thema: High Tea, versacken | Comments Off | Autor:

Moment mal: Beethovenmonat?

Saturday, 19. November 2011 17:12

“Awareness” ist eine wichtige Sache. Ich kann das nicht so recht übersetzen, und jedes Mal aufs Neue frage ich mich, ob das nicht mehr an der dahinterstehenden Kultur als an der Vokabel liegt. In New York gehört es zum Alltag, sich für andere einzusetzen – natürlich nicht in der U-Bahn, in der Wartschlange oder sonstwo, wo man andernorts gutes Benehmen beobachten kann. Aber es gibt unzählige Organisationen, die Gutes im Sinn haben, und denen gibt man Geld oder Zeit. Weil die Organisationen wiederum auf Spenden und auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sind, lassen sie sich etwas einfallen. Und ein Teil davon ist “awareness”: Sie machen auf ihr Anliegen aufmerksam. Da gibt es dann einen Cancer Awareness-Lauf oder HIV-Awareness-Schleifchen, oder man lässt namhafte Architekturbüros Modelle aus Lebensmitteldosen bauen, um auf den Hunger in der Stadt aufmerksam zu machen (jahaa, Canstruction!).

Das jetzt mal so als Hintergrund. Und dann dies hier: Ein Klassikradiosender hat den Beethoven Awareness Month ausgerufen. Und kein geringerer als Shephard Fairey hat das Plakat dafür gemacht.

Ich weiß nur nicht, ob das alles funktioniert – ich habe das Foto schon vor Wochen gemacht und … glatt vergessen, darüber zu schreiben.

Thema: Kultur, wait a second | Comments Off | Autor:

Ironie des Schicksals

Thursday, 10. November 2011 21:28

Kontrastprogramm zu gestern: Kleines Haus, unfertiges Stück, konzertante Aufführung, U-Musik statt E-Musik (oder anders gesagt: Musical statt Oper). Im achten Stock eines Hauses, in dem unten ein gelangweilter Rezeptionist sich vorwiegend mit Büromenschen herumschlägt, ganz nah am Times Square, muss ich im Gang vor dem Fahrstuhl warten, dass der Saal freigegeben wird. Aber da treffe ich später Jimmy, und deshalb frage ich mich jetzt, ob das Schicksal noch nicht mitbekommen hat, dass Ironie total aus der Mode ist.

Die Sache ist nämlich die: Ich bin diese ganzen Angeber so leid. Mich ermüden diese Leute, die ich berufsbedingt öfter treffe und für die es irgendwie wichtig ist, an welchem exklusiven Ort sie mit welchen wichtigen Leuten dieselbe exklusive Luft geatmet haben und von welchen exklusiven Veranstaltungen und wichtigen Ereignissen sie zuerst wussten. Ich weiß bei so etwas meistens schon nicht, was ich anziehen soll.

Und jetzt sitze ich hier und schaue mir “Barcode” an, in einer Fassung, in der ich mir oft Stücke anschaue: als Workshop oder Work in Progress. Damit kann man nirgendwo punkten, ich muss auch nie drüber berichten und kann mein Herz ganz ungeniert öffnen, wenn das Stück es hergibt. Und hier denke ich mir: Ach, das würde ich gern später noch mal komplett produziert sehen, als riesige, teure, funkelnde Broadwayshow.

Aber dann ist das vorbei, ich suche nicht sofort das Weite, und bevor ich “wichtig” oder “exklusiv” sagen kann, schüttle ich Jimmys Hand. “Ist mir eine Ehre”, sage ich zu ihm, und er freut sich. Ich freue mich auch. Dass mein lieber Freund Stephen mir gesagt hat, wer Jimmy ist. Jimmy alias James Rado hat “Hair” geschrieben.

Thema: High Life, Kultur | Comments Off | Autor:

Immer dasselbe Theater!

Wednesday, 9. November 2011 14:20

Eben erst hat mir ein Schreiner bestätigt, dass die New Yorker Feuerwehrleute nicht lange fackeln, wenn sie irgendwo hineinwollen. Er hat ein gutes Geschäft mit einer Reihe Türen gemacht, die komplett erneuert werden mussten, nachdem die Männer mit den Äxten und Helmen sie kurz und klein gehauen hatten.

Und jetzt stehe ich in der Kulissenwerkstatt der Metropolitan Opera und habe ein Dejà Vu: “Jeden Abend hauen die das kaputt”, sagt der Handwerker dort. Die Tafel am Ehrenmal von Bertarido fällt bereits in den Proben zu “Rodelinda” der Opernleidenschaft zum Opfer, und so muss eben ordentlich Nachschub gebaut werden.

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Eine Art Vorlesung

Friday, 14. October 2011 19:44

Henry Rollins ist ja nun nicht auf den Mund gefallen. Der Musiker, Schauspieler, Dichter, Autor und Spoken Word-Schimpftiradenmeister kann wie auf Knopfdruck Geschichten von seinen zahlreichen Touren erzählen und die dann so mal eben mit Kritik an Politik und Gesellschaft verknüpfen. Vor Jahren hat er mir mal im Interview erzählt, wie wenig er schläft. Damals ist er vor einem Pensum von 2.000 Worten nicht ins Bett gegangen.

Jetzt erzählt er von einer ähnlichen Arbeitsmoral. Seit einigen Jahren nimmt er sich jedes Jahr ein paar Monate Zeit zum Reisen. Und da gibt es einen Acht-Stunden-Arbeitstag, der im Beobachten und Fotografieren besteht. Weil er daraus jetzt seinen ersten Fotoband gemacht hat, ist er in der Buchhandlung McNally Jackson zu Gast. Aber das mit der Lesung läuft nicht wie gedacht. Zuerst interviewt ihn Musikerkollege Thurston Moore, oder sagen wir mal, er versucht’s. Henry Rollins sagt nach jeder Antwort: “Das war jetzt eine sehr lange Antwort auf deine Frage, sorry.”

Ich weiß nicht, ob es an der Verteilung der Redezeit liegt. Aber als es daran geht, ein Stück aus dem Fotoband zu lesen – zu jedem Foto hat Rollins ein (meist aggressives) Stück geschrieben – dreht Moore die Gepflogenheiten einfach mal um. “Du bist ja als fesselnder Vorleser bekannt”, sagt er in seiner Einführung, “und ich habe den Text zu diesem Bild hier ausgesucht. Den lese ich jetzt vor.” Und so kommt es, dass Henry Rollins bei seiner Lesung dasitzt und – zuhört.

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HipHop, Orchester, Herrenanzug

Wednesday, 12. October 2011 21:09

“Am I?”, singen sie. “Am I? Am I born to die?”

In dieser Serie namens “New Sounds” kommen Komponisten unter 40 zum Zug, und heute führen die Brooklyn Philharmonics mit ihren Gästen Ausschnitte aus “Am I Born” von David T. Little vor. Der Brooklyn Youth Chorus und Melissa Hughes sind aber nicht der Grund, warum die Palmenhalle des World Financial Center rappelvoll ist. Nein, am Schluss der Reihe bringen die Techniker ein verräterisches rotes Mikrofon auf die Bühne, und schon kommt der passende Sänger dazu:

Mos Def liefert hier nicht nur Arrangements seiner Songs ab (“Life in Marvelous Times”, “Revelations” und “Casa Bey”). Er ackert sich auch durch den hypnotischen Text von “Coming Together”. Das Stück von Frederick Rzewski beruht auf einem ganz speziellen Brief. Den schrieb Sam Melville 1970 als Insasse des Hochsicherheitsgefängnises in Attica, wo er als einer der Rädelsführer des dortigen Gefängnisaufstands 1971 starb.

Die Veranstalter haben versprochen, den Live Stream dieses Abends für eine Woche auf www.q2music.org stehen zu lassen. Da kann man dann auch hören, wie Mos Def erklärt, warum er sich jetzt Yasiin Bey nennt.

Es ist echt so ein Ding mit gereiften Hiphoppern: Eine Handvoll von ihnen erscheint jetzt gern in Intellektuellenhochburgen, so wie Jay-Z letztes Jahr in der New York Public Library. Und zwar weder im Angeberanzug noch in dieser Talk Show-Kleidung von Sportlern, bei deren Anblick ich mich immer frage, ob es eigentlich einen Fachhandel für Herrenanzüge gibt, die aus hundert Metern Entfernung schon wie eine Verkleidung aussehen. Sondern mit einem Stilgefühl, vor dem andere Männer den Hut ziehen würden, wenn sie denn einen hätten (und wüssten, wie man ihn trägt). Diese Hiphopper streben eben in ein anderes Establishment. Morgen ist Yasiin – der allerdings hartnäckig als Mos Def angekündigt wird – als Redner im Brooklyn Museum zu Gast.

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Noch ein rotes Klavier

Tuesday, 4. October 2011 20:20

Es gibt mal wieder Xenakis, aber deswegen bin ich nicht hier. Am ersten Dienstag des Monats spielt nicht nur einer Klavier im Barbes, sondern er lädt sich noch einen Gast ein, und dann hauen vier Hände in die Tasten. Diesmal haben sie separate Tasten, und deshalb bin ich hier. Cory Smythe hat Phyllis Chen eingeladen – und die hat ein ganz besonderes Piano mitgebracht.

So, und nun mal genau hingeschaut: Das sieht aus wie ein roter Flügel (ein rotes Klavier hatten wir ja schon). Aber der Klavierhocker verrät, dass das Instrument noch mehr Extravaganzen zu bieten hat als seine Farbe. Da sitzt man auf einer Fußbank. Weil das nämlich ein Spielzeugklavier ist. Ausgedacht hat sich so was ein Deutscher vor weit, weit über hundert Jahren.

Das klingt eigenartig. Die klassische Pianistin Phyllis Chen hat damit schon eine CD aufgenommen.

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Definitionsfrage

Sunday, 25. September 2011 23:35

Endlich: Die Opernsaison fängt wieder an! Schon seit Wochen macht die Met dafür Reklame, mit einem Spruch, der zu diesem Blog recht gut passt. Ich bin nur nicht so ganz überzeugt davon, ob ich mit so einem Moment Werbung machen würde. Klar, das ist Anna Netrebko, die ist zum Beginn der Saison zu Gast und im Frühjahr schon wieder, und mit ihr kann man Staat machen. Aber die Szene ist eine Festnahme, sozusagen der Beginn eines radikalen Abstiegs.

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New York en masse 1: deutsch

Saturday, 17. September 2011 12:23

Da hat mal ein deutscher Freiherr im Unabhängigkeitskrieg den Helden markiert, dann kamen ganz viele Deutsche, um hier zu leben, und vor über 60 Jahren haben ein paar von denen gedacht: Tradition! Parade! Seither laufen jedes Jahr, egal, was die aktuelle Mode vorschreibt, im September sehr, sehr viele Lederhosen über die Fifth Avenue.

Auf der Steuben Parade fährt nicht nur ein Wagen entlang, der die deutsche Sprache feiert (und dessen Sponsoren sie gegen ein gewisses Entgelt lehren). Es gibt natürlich auch Live-Musik.

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Vieles hier ist von der Sehnsucht nach einer anderen Welt geprägt. Sie liegt irgendwo in der Vergangenheit. Oder besser gesagt, in den Teilen der Vergangenheit, die im Nachhinein hübsch aussehen.

Trabbi und Trachten. Und dann kommt ein Partywagen. Er gehört zu einem schicken Hotel, das es letztes Jahr sehr schick fand, sich einen eigenen Biergarten einzurichten. Hier treibt er so eine Art Straßen-Karaoke vor sich her.

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Dann zeigen sie sich in aller Pracht. Wenn Deutsche sich im Ausland so präsentieren, müssen sie sich über die Klischees nicht wundern.

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Haarige Vorlage

Sunday, 21. August 2011 17:06

Aha! Nicht nur für die Herren gibt es also diese Tafeln, auf denen man sich eine Frisur aussuchen darf. Ganz egal, welche Sprache der Haareschneider spricht, damit kann man gar nicht schief liegen. Auch wenn die Damen die Mode vielleicht ein bisschen schräg finden – ein potenter Föhn kriegt das schon hin. Nur lichtecht sind die Frisuren leider nicht.

Thema: Geld ausgeben, High Tea | Comments Off | Autor: