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Wo der Frack sich dem Pinguin annähert

Thursday, 19. January 2012 19:43

Das sieht nach typisch New York aus: Irgendeiner ist immer zu gut angezogen, irgendeiner ist immer zu exzentrisch, und manches Mal ist es ein und dieselbe Person. Aber der Mann ist kein Einzelfall.

Diese Leute sind nicht etwa für eine Fotosession aufs Glatteis geführt worden. Auch wenn sie gutes Bildmaterial abgeben. Sie sind dem Aufruf der New York Winter Society nachgekommen und haben sich für den Ice Ball in Schale geworfen. Einen Ballsaal gibt es nicht. Man kommt einfach in repräsentativer Kleidung zur verabredeten Zeit zur einzigen (meines Wissens nach jedenfalls) Gratis-Eislaufbahn in New York.

Und so ziehen sie zwischen ganz normalen Schlittschuhläufern ihre Runden und sehen so fabelhaft aus, dass selbst die Jungs sich zurücknehmen, die hier am Citi Pond im Bryant Park sonst so gerne mit ihren unvermittelten Seitenschwüngen und Vollbremsungen Eindruck schinden.

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Gerührt, nicht geschüttelt

Wednesday, 18. January 2012 12:49

Abgegriffen. Ausgelutscht. Mir fallen nur Worte ein, die in diesem Zusammenhang missverständlich ausfallen. Deshalb schreibe ich es lieber so: Die Aussicht auf ein Egg Sandwich entlockt wohl keinem New Yorker ein freudig erstauntes “Oh, das klingt gut, was ist das denn?”. Eier zwischen Brotscheiben oder dem, was der Amerikaner unter Brötchen versteht, gibt es in jedem Eckladen, schnell eingeschlagen zum Mitnehmen, und draußen bullert der Automotor.

Trotzdem kann so ein Egg Sandwich lecker sein. Es kann sogar auch so aussehen. Ich habe zugeschaut, wie der junge Mann das Ei gerührt hat, aber ich komme trotzdem nicht dahinter, wie er das so hingekriegt hat. Das Brötchen dazu ist so ein “artisanal”-Schnickschnack, übertrieben auf hausgemacht getrimmt – und köstlich. So. Will jetzt wirklich noch einer fragen, was das denn ist?

Also gut: Teuer ist das.

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Wo ist das Christkind?

Sunday, 11. December 2011 17:45

Das habe ich nun davon, dass ich meinen alljährlichen Besuch in Dyker Heights bis jetzt aufgeschoben habe: Meine Fingerspitzennerven beschweren sich erbittert, es ist kalt geworden in New York. Aber diese Weihnachtsbeleuchtung mag ich einfach nicht verpassen.

Der riesige Weihnachtsmann ist ebenso Standard wie die riesigen Nussknacker hinter ihm und am Haus gegenüber. Lichterketten braucht man eigentlich schon gar nicht mehr so erwähnen, aufgeblasene Figuren auch nicht, so verbreitet sind sie hier, weit draußen in Brooklyn, wo die Autos im Schneckentempo an den Villen vorbeiziehen. Manche haben passenderweise einen Weihnachtsbaum aufs Dach geschnallt. Der Schmuck an den Häusern hier besteht aber nicht nur aus Stromfressern – und auch nicht nur aus eindeutig weihnachtlichen Motiven.

Ein paar Krippenszene finden sich trotzdem, von Strahlern beleuchtet oder von innen. Aber sie machen mich stutzig. Den Grund dafür sieht man auf dem zweiten Foto am deutlichsten – den Grund dahinter allerdings vermochte ich nicht herauszufinden. Da ist ja wohl jetzt Verschwörungstheorien aller Art die Tür hoch und das Tor weit gemacht.

Mehr über dieses Lichterfest habe ich letztes Jahr erzählt:

Weihnachtsbeleuchtung in Dyker Heights 1

Weihnachtsbeleuchtung in Dyker Heights 2

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Wenn die Wall Street glitzert

Tuesday, 6. December 2011 18:07

Nikolaus gibt es in New York nicht. Der alte Mann würde ja auch nur mit Santa Claus verwechselt. Es hatte also keinen Sinn, Stiefel vor die Tür zu stellen. Stattdessen gibt es heute noch ein bisschen Weihnachtsdekoration.

Die Sterne mit den merkwürdigen Löchern erinnern mich an Masken in einem dieser Horrorfilme, die ich mir nicht anschaue. Für viele andere ist dies hier ein Ort des Schreckens: Das Handelsparkett der New Yorker Börse.

Manch haben sich ihre Ecke so richtig weihnachtlich eingerichtet. Nur bei einem kleinen Ding bin ich mir sicher, dass es das ganze Jahr über hier vor sich hin glitzert. So was hat die Wall Street fest in der Hand.

Thema: High Tea, Kokolores, Stadtrundfahrt | Comments Off | Autor:

Weihnachtsduft

Sunday, 4. December 2011 15:21

Es hört sich mehr nach Applaus oder vielleicht nach Silvesterfeuerwerk an als nach Weihnachten:

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Aber das Geräusch – und der Geruch – kommt live vom Weihnachtsmarkt im Bryant Park (ich hatte doch Weihnachtsthemen an den Adventsonntagen versprochen). Am Union Square haben sie grün-weiß-gestreifte Stände, und hier sind die Buden grüne Glashäuser, rund um die Schlittschuhbahn aufgestellt und meist mit Kunsthandwerk gefüllt. In einer gibt es ein amerikanisches Klischee, Popcorn nämlich, aber mit Hausmacher-Touch:

Bevor der junge Mann die neue Ladung aus seinem Kessel in die Kiste schütten kann, muss er die Zutaten zusammenfügen, rühren und im rechten Moment den Schutzhelm aufsetzen.

An den meisten anderen Ständen aber geht es ruhig und ungefährlich zu. Sogar die halsbrecherischen Taxis kann man hier anhalten, wann immer man möchte – und zum Fest in der Botanik parken.

Thema: Geld ausgeben, High Tea | Comments Off | Autor:

Gaga Advent

Sunday, 27. November 2011 17:44

Ha, erster Advent! Damit niemand hinterher sagen kann, Weihnachten sei wieder so plötzlich gekommen, werde ich an jedem Adventssonntag etwas Passendes in den Blog stellen. Tja, und was macht man in der Vorweihnachtszeit in New York? Einkaufen natürlich. Die großen Kaufhäuser dekorieren ihre Schaufenster so, dass Modeblogs in aller Welt Purzelbäume machen. Und Barneys setzt dem Zirkus dieses Jahr noch einen drauf.

Als Mike Lee im September 2010 auf dem CEO-Sitz bei Barneys Platz nahm, schrieb er sofort einen Brief an das Management von Lady Gaga. Er wollte von vornherein, dass das Modekaufhaus mit dem Monsterstar zusammenarbeitet. Unter anderem sieht man deshalb jetzt eben ein Gagamobil im Schaufenster. Und, passend zu anderen Teilen der Gaga-Abteilung, auch ein maritimes Motiv:

Das macht mich stutzig. So etwas Ähnliches zeigt auch das konservativere Haus Bergdorf Goodman. Dort spielen Monster keine Rolle, aber es steht ein Karneval der Tiere in den Schaufenstern.

Und wenn ihr alle schön brav seid, zeige ich bald vielleicht noch ein paar Schaufenster.

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Wo Goethe Kleider verkauft

Thursday, 3. November 2011 18:02

Wahrnehmung ist so eine lustige Angelegenheit. Nach einem tollen Gespräch mit Emil und Sandy Corsillo (the Hill-side und Hickoree’s Hard Goods) sehe ich auf einmal überall Mode im Weg herumstehen. Erst stolpere ich fast über einen Kontrast zu den Herrenklamotten, die meine Interviewpartner feilbieten.

Nur wenige Minuten später komme ich am nächsten Aufsteller vorbei. Und gehe noch einmal zurück. Ich bin sicher, dass ich mir auf die Schnelle etwas zusammengereimt habe, dass da gar nicht steht. Stimmt aber nicht. Mit so etwas verkaufen sie hier tatsächlich Kleider. Na, und wie heißt der Satz des großen Dichters noch gleich im Original?

Thema: High Tea, Kaufen | Comments Off | Autor:

Halloween mit Hot Dogs

Saturday, 22. October 2011 13:29

Ich mag Hunde ja eher theoretisch. Also eigentlich nicht so. Deren Zähne sind in meinem Reptilhirn äußerst präsent. Aber manchmal sind sie ja doch verlockend freundlich, lustig oder schön. Ich habe aber nicht den passenden Job für so ein Tier. Deshalb habe ich vor langer, langer Zeit die Kiste erfunden. Die Kiste existiert nur in meinem Kopf, deshalb kommt niemand zu Schaden, wenn ich da all die Tiere hineinstecke, die ich für einen Moment unbedingt haben möchte. Weil sich diese Kiste heute sehr gefüllt hat, gibt es einen Riesenschwung Fotos und dazwischen keine Worte (kein Platz).

Aber vorneweg eine Erklärung: Am 31. Oktober ist Halloween. Das ist nicht nur ein Gruseltag, an dem man allerlei Erschreckliches plant und dekoriert, sondern auch ein Anlass zum Verkleiden – wie Karneval in Deutschland, nur dass hier die bösen Geister zu Beginn des Winters und nicht erst an dessen Ende bedacht werden. In New York feiert man Halloween nicht nur an einem Tag. Heute zum Beispiel sind die Hunde dran – im Dog Run des Tompkins Parks. Wer in den vielen Kategorien einen Preis abgestaubt hat, weiß ich nicht. Backstage liefen mir zum Beispiel diese Hunde über den Weg. Wer von ihnen in der Kiste gelandet ist, verrate ich nicht.

Und eins wollen wir nicht vergessen: diese Halloween-Vorfeier findet in New York statt. Draußen. Und was gehört zu Straßenfesten in New York? Natürlich: Hot Dogs.

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HipHop, Orchester, Herrenanzug

Wednesday, 12. October 2011 21:09

“Am I?”, singen sie. “Am I? Am I born to die?”

In dieser Serie namens “New Sounds” kommen Komponisten unter 40 zum Zug, und heute führen die Brooklyn Philharmonics mit ihren Gästen Ausschnitte aus “Am I Born” von David T. Little vor. Der Brooklyn Youth Chorus und Melissa Hughes sind aber nicht der Grund, warum die Palmenhalle des World Financial Center rappelvoll ist. Nein, am Schluss der Reihe bringen die Techniker ein verräterisches rotes Mikrofon auf die Bühne, und schon kommt der passende Sänger dazu:

Mos Def liefert hier nicht nur Arrangements seiner Songs ab (“Life in Marvelous Times”, “Revelations” und “Casa Bey”). Er ackert sich auch durch den hypnotischen Text von “Coming Together”. Das Stück von Frederick Rzewski beruht auf einem ganz speziellen Brief. Den schrieb Sam Melville 1970 als Insasse des Hochsicherheitsgefängnises in Attica, wo er als einer der Rädelsführer des dortigen Gefängnisaufstands 1971 starb.

Die Veranstalter haben versprochen, den Live Stream dieses Abends für eine Woche auf www.q2music.org stehen zu lassen. Da kann man dann auch hören, wie Mos Def erklärt, warum er sich jetzt Yasiin Bey nennt.

Es ist echt so ein Ding mit gereiften Hiphoppern: Eine Handvoll von ihnen erscheint jetzt gern in Intellektuellenhochburgen, so wie Jay-Z letztes Jahr in der New York Public Library. Und zwar weder im Angeberanzug noch in dieser Talk Show-Kleidung von Sportlern, bei deren Anblick ich mich immer frage, ob es eigentlich einen Fachhandel für Herrenanzüge gibt, die aus hundert Metern Entfernung schon wie eine Verkleidung aussehen. Sondern mit einem Stilgefühl, vor dem andere Männer den Hut ziehen würden, wenn sie denn einen hätten (und wüssten, wie man ihn trägt). Diese Hiphopper streben eben in ein anderes Establishment. Morgen ist Yasiin – der allerdings hartnäckig als Mos Def angekündigt wird – als Redner im Brooklyn Museum zu Gast.

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Nachos für Models

Wednesday, 5. October 2011 12:33

Ich weiß nicht, ob es hier so sauber ist, dass man vom Boden essen kann. Könnte sein, macht einen sauberen Eindruck. Aber eigentlich macht man so was ja nicht. Da liegen tütenweise Nachos, und trotzdem hat hier keine Party stattgefunden, zumindest keine solche wie damals auf der East Side. Die Mais-Chips liegen eher so, wie sich ein Mensch mit Ordnungszwang Unordnung vorstellt: Nachos in zwei Farben, die nicht an einer scharfen, geraden Kante, sondern in einem Bogen zusammenfinden, und an der Seite liegen ein paar in der falschen Farbe etwas abgeschlagen herum. Schuld daran ist Brendan Lynch.

Der Künstler hat sich das ausgedacht und stellt es in den Ford Projects aus. Die Räumlichkeiten auf zwei Stockwerken sind Paradebeispiele für Orte, die meine amerikanischen Freunde zum schönen Begriff “apartment envy” inspiriert haben. Darin stellt nicht der Autokonzern, sondern die Modelagentur Ford Kunst aus. Ich weiß nicht, ob da nun Schönheit zu Schönheit kommen soll oder Anspruch zu … aber das ist ja nur ein Vorurteil. Fakt ist: Ob man nun eine Essstörung hat oder nicht, ein Band hält einen von den Chips fern. Ist auch besser so. Sie kosten 2500 Dollar.

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Schlampen im Regen

Saturday, 1. October 2011 13:04

New York ist zwar spät dran, hat aber auch einen. Slut Walks begannen im April in Toronto. Drei Monate zuvor hatte ein Vertreter der dortigen Polizei bei einer Veranstaltung über Verbrechensbekämpfung gesagt, um nicht zum Opfer zu werden, sollten Frauen sich nicht wie Schlampen anziehen. Daraufhin rückten kluge Köpfe nicht nur theoretisch die Zusammenhänge gerade, sondern sie organisierten auch Demonstrationen. Und da erschienen dann so einige Teilnehmerinnen leichtbekleidet – um zu zeigen, dass das keine Einladung zur Vergewaltigung ist.

Es zeigte sich aber, dass sie damit ein vertracktes Problem hervorrufen: Medien berichten darüber nicht unbedingt deswegen, weil die Slut Walks mit nacktem Finger auf ein drängendes Problem unserer Zeit zeigen; sondern auch, weil sie auflagen-, zuschauer- oder klicksteigernde Bilderbotschaften liefern, die ins Gegenteil verkehren, wofür die abgebildeten Frauen bei der Veranstaltung eintreten.

In den Reden des New Yorker Slut Walks wiederholen viele noch mal, wer sie sind. Und auch, was sie nicht sind. Dabei drücken sie sich klar aus, einfach genug, um noch dem tumbesten Gaffer ein- oder heimzuleuchten. Auch visuell.

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